Zwei Siege binnen drei Tagen gegen in der oberen Kreisliga B - Hälfte sesshafte „Reserven“ von Kreisoberligisten: Der Re-Einstieg des RSV Germania 03 ist vollauf geglückt. Wie bereits beim turbulenten 4:3 am Woog knabberte die Elf von Trainer Ben Talib auch beim Heim-Comeback gegen SG Arheilgen II lange am Geduldsfaden, ehe der verdiente 4:1-Erfolg in trockenen Tüchern landete.
Das Duell mit der SGA konnte hinsichtlich Intensität und Dramatik dem vorausgegangenen Fight bei den 46ern zwar nicht das Wasser reichen und wird deshalb anders als zum identischen Datum 1971 nach dem Box-Clinch Joe Frazier vs. Muhammad Ali nicht als „Kampf des Jahrhunderts“ gelistet, doch auch im Madison Square Garden des Grünen Stegs votierten die Ringrichter einstimmig für einen Sieg nach Punkten pro Rasensportverein.
Beim klimatischen Frühlingserwachen profitierte der Hausherr in Match-Minute Siebzehn von einem Eigentor. Mehmet Köroglu eroberte den Ball im Mittelfeld und wollte Max Meier in Szene setzen. Verteidiger Christian Pinz gönnte allerdings dem blau-weißen Chef-Knipser Saisonbude Nummer Vierzig nicht, weil er die Kugel zum heimischen Doppelbull (fünfzigster Saisontreffer zu Hause) lieber selbst in die Maschen zirkulierte.
Im weiteren Verlauf versiebten die Germanen leichtfertig weitere gute Chancen, weshalb sie zum Kehraus der ersten Hälfte unnötig ins Schwimmen gerieten. Der bis dahin offensiv harmlose Gast witterte plötzlich Lunte und erzielte mit der finalen Aktion vor dem Halbzeitpfiff den Ausgleich. Nach der Pausenkonferenz benötigte der RSV einen langen Anlauf, um das SGA-Bollwerk auszuhebeln. Erst als die Stadionglocke die abschließende Viertelstunde einläutete, erlöste der eingewechselte Justin Daum die auf der ordentlich gefüllten Tribüne sämtliche Daumen drückenden Fans.
Ein von Bilal Sabbagh (Debüteinsatz nach seiner Rückkehr vom Alsbacher Hinkelstein an die Pfungstädter Ostendstraße) initiierter Konter sorgte schließlich für die von Köroglu vollzogene Entscheidung. Den Schlusspunkt markierte ein weiterer Joker. Kevin Caruso sang die Freuden-Arie seines italienischen Nachnamensvetters und drückte Sekunden vor dem Ausklang das Zuspiel von Max Meier zum 4:1 über die Linie.
Damit sackte der Rasensportverein schon zum zweiten Mal in dieser Saison sechs Siege hintereinander ein und steht mit der imaginären Bronzemedaille um den Hals relativ stabil auf dem Treppchen. Und für die Prognose, dass bis zum Runden-Feierabend die 100-Tore – Schwelle überschritten wird (aktuell 81 Einlochungen bei noch elf ausstehenden Begegnungen), muss man nicht beim Orakel von Delphi in die Lehre gegangen sein.
Aufstellung: Tammo Atie, Wolf (46. Tabtab, 81. Sabbagh), Buth (38 Morris), Al Hadid (46. Daum), Kalai, Botezatu, Dommert, Velez Gomez, Meier, Köroglu (89. Caruso), Laston
Tore: 1:0 Eigentor Pinz 17. 1:1 Keller 45. 2:1 Daum 76. 3:1 Köroglu 86. 4:1 Caruso 90. + 4
Weiter geht die wilde Beute-Hatz am Sonntag mit zwei Auswärtspartien, welche bezüglich den Tabellen-Perspektiven divergenter nicht sein könnten. Während das mit einem spannenden 3:3 gegen TSG Wixhausen II in die Restrückrunde gestartete Zweitmannschaftsteam ab 13Uhr als krasser Außenseiter beim Kreisliga C – Primus SKG Bickenbach II eine Mammutaufgabe vor der Brust hat, pilgert die „Erste“ im Favoriten-Modus zum abstiegsgefährdeten SKV Hähnlein (Anstoß 15Uhr).
Zuwider des unauslöschlichen Hinspiels (Ende August 2025 trugen die Germanen nach einem 15:3-Scheibenschießen den höchsten Punktspielsieg der Nachkriegsgeschichte im Almanach ein) ist der warnende Zeigefinger allerdings nicht zu übersehen. Auf dem schwer bespielbaren Ground in „Hejne“ sah der RSV in der jüngeren Vergangenheit relativ alt aus. Eventuelle Unterschätzung-Allüren wären ergo fehl am Platz.
