Von Aberglaube keine Spur: Der RSV Germania 03 scherte sich am 26. Kreisliga B – Spieltag einen feuchten Kehricht um die berühmt-berüchtigte Unglückszahl und ließ durch ein 3:1 bei SKG Gräfenhausen auch den dreizehnten Herausforderer am Stück ertraglos in die Röhre schauen. Damit meldete die aktuelle Mannschaft das vereinsinterne Nachkriegs-Patent für hintereinander eingetütete Punktspielsiege an. 

 

Eingebettet zwischen den exzessiven Schalker Fest-Orgien (Samstag fünfter Bundesligaaufstieg und Montag 122. Geburtstag) existierte am ersten Sonntag des Wonnemonats Mai noch Spielraum für andere blau-weiße Traditionsklubs, um bundesweit für Furore zu sorgen. Weil die Lilien im badischen Wildpark verwelkten, sprang der germanische „Serientäter“ in die bundesweite Aufmerksamkeits-Bresche und sicherte sich mit „Dreier“ Nummer Dreizehn das individuelle Alleinstellungsmerkmal der neuen Bestmarke. Angesichts dieser großartigen Gipfelleistung und weil parallel der internationale Tag der Pressefreiheit zelebriert wurde, sollte solch ein euphorisches Statement durchaus mal erlaubt sein.

 

Dass der Job in Gräfenhausen nicht automatisch ein Fortsetzung-Selbstläufer wird, war allen Protagonisten im Vorfeld bewusst. Vor etwaigen Unterschätzung-Allüren warnte neben Trainer Ben Talib das ansteigende SKG-Formbarometer der zurückliegenden Wochen und die Erfahrungswerte aus der vergangenen Saison (2:4-Niederlage). Dementsprechend seriös ging der vom Grünen Steg angereiste Gast zu Werke.

 

Es dauerte bis zur 35. Minute, bis die Germania ihr Chancenplus und spielerisches Übergewicht in eine verdiente Führung ummünzen konnte. Allerdings bedurfte es eines Geschenks von Torsteher Paul Kowalewski, dem nach einem von Robert Botezazu aus sechzehn Metern Entfernung abgefeuerten Schuss der Kategorie „Platzpatrone“ die Kugel durch sämtliche Hosenträger flutschte. Kurz vor der Halbzeit schimmerte der zweite RSV-Treffer in der vorsommerlichen Luft, aber Mehmet Köroglu scheiterte im Eins gegen Eins an Kowalewski und Max Meiers verfrühtem Jubel über seine 50. Saisoneinlochung versagte der Schiedsrichter wegen angeblicher Abseitsposition die Anerkennung.

 

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Augenscheinlich wollte der Goalgetter seine Jubiläums-Bude mit einer melodramatische Methodik weihen und „wartete“ präzise bis zur 50. Minute, um nach einem zauberhaften Zuspiel von Lashun Morris Keeper Kowalewski per Heber zu überlisten oder – um kurz im Darts-Jargon zu wildern – per „Doppelbull“ auszuchecken.

 

Der unmissverständliche Vorsprung wurde exakt 311 Jahre nach der totalen Sonnenfinsternis 1715 vom Gräfenhäuser Anschlussverfahren (Foulelfmeter) und einer mit drei gelben Karten sanktionierten Rudelbildung überschattet. Angefeuert vom kultigen Fan-Club „Bombestand“, den auch übernächtigte Knappen-Supporter unterstützten, fightete der Hausherr noch einmal für eine Egalisierung, doch die RSV-Defensive verteidigte geschickt ihr Hoheitsgebiet und hätte sich am 28. Todestag von Raimund Harmstorf nicht einmal von einer mit der Hand zerdrückten rohen Kartoffel beeindrucken lassen.

 

Auf der anderen Seite initiierte die Sturm- und Drang-Abteilung blitzartige Konter. Nachdem Markus Laston zweimal die Entscheidung verpasst hatte, sprintete Max Meier den linken Flügel entlang und wollte mit seiner scharfen Hereingabe Maurice Rippert in Szene setzen. Dessen Bewacher gönnte dem Germanen aber nicht ein erquickendes Abschlussgefühl und lenkte daher die Pille lieber selbst in die eigenen Maschen. Wenig später signalisierte der Referee Aus die Maus und der blau-weiße Konvoi durfte für die Pilgerfahrt nach Hause den dreizehnten Sieg nebst die Urkunde für den neuen Vereins-Highscore im Gepäck verstauen.

 

Aufstellung: Rehak, Sabbagh (84. Caruso), Morris, Wolf, Dommert, Botezatu (60. Buth), Kalai, Velez Gomez, Meier, Köroglu (63. Laston), Rippert (87. Merzak) 

Tore: 0:1 Botezatu 35. 0:2 Meier 50. 1:2 Volz 53. FE 1:3 Eigentor Friedrich 86. 

 

In der langsam ausklingenden Spielzeit 25/26 sind in den Kreisligen B & C noch vier Aufgaben auf dem Abarbeitungszettel fixiert, wobei beide germanische Mannschaften am kommenden Sonntag letztmals vor der Sommerpause gemeinsam vor heimischen Publikum antreten. Mit dem Rückenwind von fünf ungeschlagenen Partien eröffnet die „Zweite“ den abschließenden Doppelheimspieltag-Nachmittag gegen SKG Nieder-Beerbach (Anstoß 13Uhr). Unmittelbar danach empfängt die „Erste“ SKG Roßdorf II und peilt ab 15Uhr nicht nur eine Revanche für die vermeidbare 1:2-Hinrundenpleite, sondern selbstredend auch den vierzehnten Sieg hintereinander an.