Der RSV Germania 03 hat den nächsten Superlativ seiner Vereinsbestmarke ausgesprochen. Dank einem nie auf der Kippe stehenden 10:2-Reigen gegen SKG Roßdorf II glänzt die seit Ende Oktober 2025 nicht mehr beschmutzte Punktspiel-Weste auch nach dem viertletzten Kreisliga B - Saisoneinsatz imaginär über dem Grünen Steg.
Siggi Kullick „muss“ sich ergo weiter gedulden, bis er den fortan blütenweiß glitzernden Ärmellos-Talisman neben verschwitzten Trikots und dreckigen Stutzen in der Waschmaschine platzieren kann. Wegen „Dreier“ Nummer Vierzehn am Stück inklusive dem dadurch verknüpften Ausbau des Klub-Rekords dürfte die Zeugwart-Ikone diese willkommene „Arbeitsminimierung“ verschmerzen.
Schon der erste konstruktive Angriff besaß Augenweiden-Charakter. Oualil Kalai spurtete die rechte Außenbahn entlang und drang in den Sechzehner ein. Seinen schulbuchmäßigen Rückpass von der Grundlinie in die Abschlusszone vollstreckte Marlon Velez Gomez trocken zur Führung. Vielleicht irritiert durch die vom 74. Wiegenfest Roland Kaisers inspirierten Gesänge der blau-weißen Supporter („ich glaub, es geht schon wieder los“) wirkte die fast komplett neu formierte Defensiv-Abteilung (die etatmäßigen Bollwerk-Spezialisten Paul Wolf und Patrick Dommert standen Coach Ben Talib nicht zur Verfügung) allerdings kurzfristig so, als hätte man sieben Fässer Wein intus.
Die Roßdörfer Reserve nutzte das Zügel-Schleifen zum überraschenden Ausgleich. Doch spätestens nach dem 2:1 von Max Meier war klar, in welche Richtung der Hase läuft. Erquickt durch den neuerlichen Vorsprung ließen sich die Germanen kein zweites Mal ins Bockshorn jagen und dominierten den fußballerischen Ablauf quasi nach Belieben. Beim Seitenwechsel war die Ergebnismesse schon gelesen, weil Velez Gomez einen Freistoß mit Hilfe des Aluminiums direkt verwandelte und Meier seinen Torhunger per Doppelpack sättigte respektive seine Einschweiß-Quote auf beispiellose 53 Saisontreffer aufpeppte.
Im finalen Abschnitt, den der Schiedsrichter unfreiwillig mit einem Schreckmoment eröffnete (sank nach einem aus unmittelbarer Nähe abgefeuerten Schuss zu Boden, konnte aber glücklicherweise nach kurzer Behandlung das Match weiterleiten) dualisierte der Rasensportverein punktgenau sein Halbzeit-Resultat, wobei Mehmet Köroglu einen Hattrick auf das Kunstrasen-Grün zauberte.
Den neunten Einschlag verbuchte Maurice Rippert auf sein Konto und dem einwechselten Bilal Sabbagh kam die Ehre zuteil, den monumentalen Score im Dekaden-Format zu gestalten. Roßdorf II fightete bis zum Feierabend tapfer im Rahmen seiner Möglichkeiten (Indiz hierfür war die zwischenzeitliche Kosmetik zum 2:7), musste allerdings den Part als unterlegener Sparringspartner akzeptieren.
Am 127. Geburtstag von Fred Astaire tanzte sich das Ensemble von Chef-Choreograf Ben Talib also nach leichten Anfangsschwierigkeiten erneut in die germanischen Herzen hinein und servierte auf dem heimischen Parkett seinem treuen Publikum bereits den vierten zweistelligen Heimsieg einer außergewöhnlichen Spielzeit.
Aufstellung: Rehak, Buth, Morris, Merzak (63. Sabbagh), Botezatu, Kalai, Velez Gomez, Meier, Köroglu (63. Caruso), Rippert, Laston
Tore: 1:0 Velez Gomez 2. 1:1 Alkhalil 7. 2:1 Meier 19. 3:1 Velez Gomez 28. 4:1, 5:1 Meier 32., 45. 6:1, 7:1 Köroglu 47., 54. 7:2 Groß 59. 8:2 Köroglu 62. 9:2 Rippert 68. 10:2 Sabbagh 82.
Am Sonntag treten beide Mannschaften zum jeweils drittletzten Liga-Kraftakt vor dem sommerlichen Seelen-Baumel an. Ab 13Uhr ist die „Reserve“, deren Positiv-Serie von fünf ungeschlagenen Partien aufgrund einem 2:4 gegen SKG Nieder-Beerbach endete, beim B-Klassen-Tabellenzweiten FC Ober-Ramstadt II gefordert. Derweil ertönt der Anpfiff für die „Erste“ als Gast von TGB Darmstadt um 15Uhr.
Während der Winterpause thronte Bessungen als Dritter noch über den Germanen (Vierter). Inzwischen hat das Konkurrenten-Duo aufgrund der blau-weißen Sieg-Welle längst die Positionen getauscht – und das mit einem Bilanzunterschied von achtzehn Zähler pro Rasensportverein. Direkt nach dem versemmelten Hinkampf (3:4-Niederlage trotz 3:1-Führung) begann die bis dato anhaltende Erfolgsgeschichte. Die Gretchenfrage lautet nun, ob der letzte RSV-Bezwinger wiederum als Spaßbremse fungiert oder ob die Elf von Ben Talib den Sensations-Marathon auf fünfzehn ununterbrochene „Dreier“ katapultiert.
