In der Kreisliga A ticken die Uhren anders. Obwohl der FSV Schneppenhausen in der zurückliegenden Spielzeit ebenfalls noch über die B-Klassen-Felder tingelte, zollte der RSV Germania 03 zum Wiedereinstieg ins höhere Fußball-Stockwerk dem cleveren Mitaufsteiger Tribut und quittierte am heimischen Grünen Steg im 2:5-Format die erste Pflichtspielniederlage seit Ende Oktober 2025. 

 

Das von Statistikern für die Sportberichterstattung erfundene Adjektiv „saisonübergreifend“ muss die Medienabteilung ergo nicht aus dem Wortschatz-Repertoire zaubern. Der während der vergangenen Runde im Happyend mündende Vereinsrekord „stagniert“ bei siebzehn Punktspiel-Siegen in Folge und wird nach dem Aufprall auf das Stoppschild nun höchst offiziell respektive voller Stolz im blau-weißen Almanach verewigt. 

 

Von einem Serien-Ausbau auf der Comeback-Plattform durften die germanischen Protagonisten lediglich in der Anfangsphase träumen. Nach einer perfekt zirkulierten Ecke von Marlon Velez Gomez drückte Nicklas Buth mit dem ungewöhnlichen Beförderungsmittel Abdomen alias Bauch den Ball zur Führung über die Linie. Dadurch kam dem Abwehrrecken die Ehre zuteil, nicht nur das erste RSV-Saisontor, sondern auch den ersten germanischen A-Liga-Treffer seit über zwei Jahren zu erzielen. 

 

Doch der amtierende B-Klassen-Meister ließ sich von diesem Dämpfer keineswegs einschüchtern und antwortete durch gnadenlose Effizienz. Die Brüder Cengiz (Spielertrainer) und Emre Arslanparcasi drehten binnen weniger Minuten das Duell, wobei der Hausherr durch defensive Passivität unfreiwillige Zulieferdienste leistete. Das verspätete Geschenkpaket für die Aufstiegs-Schützenhilfe vor zweieinhalb Monaten hätte man wohl besser erst beim Feierabend-Schoppen überreicht.

 

Bis zur Pause warf der RSV zwar mehrfach seine gefährlichste Offensivwaffe in die Waagschale (Ecken Velez Gomez), doch die Adressaten Buth und Max Meier scheiterten am 88. Geburtstag von Journalisten-Legende Werner Hansch an der Startnummer Eins Jannis Pellowski. Weil zu allem Überfluss Alazar Mulatu als Mitglied der üppigen Südamerika-Fraktion des FSV eine weitere Unaufmerksamkeit zum nächsten Nadelstich nutzte, beklagten die Germanen beim Trott Richtung Kabine einen 1:3-Rückstand. 

 

Jegliche Hoffnungen, das Blatt im zweiten Abschnitt zu drehen, fielen sechzig Sekunden nach dem Seitenwechsel resignativ in das nasse Grundelement, welchem Vater Rhein es momentan aufgrund seines niedrigen Pegel extrem mangelt. Erneut Mulatu bestrafte einen Abwehrbock zur zeitigen Entscheidung, die spätestens mit dem fünften Nackenschlag besiegelt war.

 

Im restlichen Verlauf schwitzte sich die Partie bei immer noch schweißtreibenden Temperaturen durch den Parcours. Die Germania feilschte lange vergeblich um eine Resultats-Kosmetik. Trotz dem 97. Wiegenfest von Helmut Rahn versandeten im Wankdorf an der Ostendstraße sämtliche Schussversuche aus dem Hintergrund im Nirwana, ehe Sturm-Boss Max Meier mit dem finalen 2:5-Score noch für einen einigermaßen versöhnlichen Kehraus sorgte.

 

Im „Vorspiel“ durfte das Kreisliga C – Ensemble die germanischen Fahnen hissen und feierte durch einen 3:2-Erfolg über Absteiger SKV Hähnlein den zweiten Heimdreier hintereinander.

 

Aufstellung: Rehak, Buth, Wolf, Kalai, Heumann (41. Sabbagh), Morris (27. Hakimi), Botezatu, Velez Gomez, Meier, Köroglu, Rippert (57. Hemmpel) 

Tore: 1:0 Buth 18. 1:1 Cengiz Arslanparcasi 25. 1:2 Emre Arslanparcasi 27. 1:3, 1:4 Mulatu 41., 47. 1:5 Lemos 64. 2:5 Meier 86. 

Bes.: Gelb-Rot Calixto 68. (FSV)

 

Gemäß dem Mark Twain – Zitat „Man muss reisen, um zu lernen“ legen beide germanische Fußball-Crews am kommenden Sonntag erstmals in dieser Saison zur auswärtigen Pflichtspiel-Absolvierung vom Kai des Grünen Stegs ab. Der anvisierte Hafen des Zweitmannschaftsteams beim nachbarlichen Vornamensvetter Germania Eberstadt II ist nicht allzu weit entfernt (Anstoß 12Uhr45). 

 

Ein paar Seemeilen mehr muss die Elf von Steuermann Ben Talib in See stechen, um am „roten Berg“ des SV Traisa Anker zu werfen. Im ersten Kreisliga A – Auswärtsmatch seit dem 5. Mai 2024 (desillusionierendes 0:15 in Erzhausen gegen Türk Gücü Darmstadt) wollen die inzwischen vom B-Klassen-Skorbut geheilten blau-weißen Matrosen jetzt beim freiwilligen Kreisoberligaabsteiger selbstredend wieder produktiv in fremden Gewässern Punkte fischen (Kick-off 15Uhr). Wie hoch die Hürde im Mühltaler Ortsteil ist, demonstrierte das Ergebnisraster des Eröffnungsspieltags. Traisa grüßt nach einem 8:1-Scheibenschießen gegen Viktoria Griesheim II zunächst einmal vom Tabellenplatz an der Sonne.