Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt: Während die zweite Mannschaft des RSV Germania 03 im Kreisliga C – Derby Gastgeber FTG Pfungstadt nicht den Hauch einer Chance gestattete, enttäuschte das blau-weiße Kreisliga A – Team auf der ganzen Linie und sah im Lokalfight kein Land. 

 

Beim Comeback der sommerlichen Temperaturen schien ausschließlich für den germanischen „Unterbau“ die sportliche Sonne. Beflügelt durch zuletzt vier eingefahrene „Dreier“ machte die Auswahl von Coach Aziz Darras auch im urbanen Süden mit dem roten Hausherr kurzen Prozess und fuhr dank einem ungefährdeten 4:0-Erfolg den fünften Sieg in Serie ein, dank dem man im Ranking ab sofort mit der Bronzemedaille dekoriert stolz vom Podium grüßt. 

 

Direkt nach dem Schlusspfiff wurde alles angerichtet für das Kräftemessen der innerstädtischen A-Rivalen, weshalb fünf Tage vor dem Startschuss zur Pfungstädter Kerb respektive passend zum achten Todestag von Burt Reynolds auf dem Highway Richtung Dr. Horst Schmidt - Straße die Hölle los war. Sogar „Schwarze Palme“ – Veteran Werner Morweiser durfte per Ausreisegenehmigung kurzfristig sein Bibliser Exil verlassen und radelte in die alte Heimat. 

 

Wie ein ausgekochtes Schlitzohr – um noch einmal in der Reynolds-Filmographie zu wildern – präsentierte sich vom Fleck weg lediglich die Freie Turngemeinde. Derweil stolperten die Germanen uninspiriert und fernab der nötigen Konzentration über das Geläuf, was dem eine flotte Sohle auf’s Parkett legenden Platzhirsch perfekt in die Karten spielte.

 

Das Übungsleiter-Duell zwischen Geburtstagskind Oliver Schnepper und Ben Talib, die früher beide schon für die andere Seite auf der Trainerbank saßen, war praktisch schon nach sieben Minuten entschieden. Ingo Haas und Elias Capasso spielten zweimal eine feine Klinge und nutzten hanebüchene Abwehrschnitzer erbarmungslos aus.

 

Danach kam der Rasensportverein einfach nicht in die Gänge. Lag es an den diversen Blessuren einiger Leistungsträger wie z.B. Velez Gomez und Paul Wolf, der trotz physischem Handicap bereits nach einer halben Stunde eingewechselt wurde? Oder an der Hitze – Renaissance? Oder an der Entschlossenheit und Zweikampfstärke der viel zielstrebiger auftretenden FTG?

 

Auch im weiteren Verlauf spielte die Germania nur die zweite Geige und als sich mit Keeper Nikola Rehak der zuvor und danach prinzipiell stärkste Germanen-Akteur von der ersten allgemeinen Verunsicherung kurzfristig anstecken ließ und Capasso zu seiner zweiten Bude einlud, schwammen die blau-weißen Felle frühzeitig davon.

 

Die schwere Aufgabe, im zweiten Abschnitt ein dickes Brett zu bohren sprich eine Aufholjagd zu initiieren, entpuppte sich als Mission Impossible. Zwar glückte Mehmet Köroglu zwölf Minuten vor dem Kehraus eine optische Resultatsverbesserung, die wenig später als kosmetischer Eingriff entpuppt wurde. Joker Ivan Castano Vargas stellte nach der x-ten defensiven Schnarchphase den Score auf 4:1 und packte das Wiegenfest-Geschenk für seinen Chef endgültig ein. 

 

Während die Freien Turner durch den Derby-Triumph zunächst einmal eine Etablierung in der tabellarischen Spitzengruppe genießen, muss der germanische Wiederaufsteiger nach Niederlage Nummer Drei im dritten Match die rote Laterne im Vitrinenschrank verstauen. Jene denkwürdige Parole, die IOC-Präsident Avery Brundage exakt 54 Jahre zuvor ins Mikrofon des Münchener Olympiastadions hauchte („The Games must go on“), gilt mehr denn je. Der Kampf geht selbstredend weiter und die Hoffnung auf ein baldiges Platzen des Knoten lebt. 

 

Aufstellungen:

FTG: Heier, A. Larkowitsch, G. Larkowitsch (63. Mohamed), Roth, Alvarez Tornay (53. Schmeichel), L. De Nuccio (75. Castano Vargas), Garcia Martin (30. Knauer), Capasso, Helbig (80. Berisha), Saadan, Haas

RSV: Rehak, Buth (72. Heumann), Hemmpel, Morris, Kalai, Merzak (30. Wolf), Singh, Botezatu (69. Rippert), Velez Gomez, Meier, Köroglu (89. Caruso) 

Tore: 1:0 Haas 3. 2:0, 3:0 Capasso 7., 25. 3:1 Köroglu 78. 4:1 Castano Vargas 84.

 

Gemäß dem Motto „Nach dem dem Derby ist vor dem Derby“ pilgert die zweite Mannschaft des Rasensportvereins bereits am Dienstagabend (08.09.) im Rahmen des achten Kreisliga C – Spieltags respektive einer englischen Woche über den Autobahnbuckel und bittet beim SV Hahn II zum nächsten lokalen Kick-Tanz.

 

Am Kirchweih-Sonntag dürfen „Zweite“ (13 Uhr) und „Erste“ (15 Uhr) dann wieder hintereinander auf dem identischen Ground gegen den Ball treten. Diesmal zu Hause im heimischen Fußballwohnzimmer des Grünen Stegs. Als anreisende Herausforderer geben sich beide Aktiven-Teams des FC Ober-Ramstadt die Ehre. Logischerweise stehen für die Germanen zwei ergebnistechnische Erfolgserlebnisse auf dem Wunschzettel. Primär zur Aufstockung des punktuellen Kontostands, aber auch, um im Anschluss mit euphorischem Rückenwind die letzten Stunden der „Pungschter“ Straßenkerb zu genießen.