Das war nichts für schwache Nerven. Im Kracher zwischen den bis dato sieg- und punktlosen Kreisliga A - „Kellerkindern“ triumphierte der RSV Germania 03 bei SKG Ober-Beerbach mit 3:2 und durfte nach vier Niederlagen zu Saisonbeginn endlich den erlösenden Debütsieg seit dem Wiederaufstieg feiern.
Bis zum Happyend war es allerdings ein dornenreicher Weg, der von einer schweren Verletzung überschattet und vom Dauerregen beeinflusst wurde. Dank Max Meier (zwei Buden und eine Torvorlage), einem auf unbekanntem Positions-Terrain sensationell agierenden Nicklas Buth und einer kämpferisch geschlossenen Kollektivleistung ernteten die Schützlinge von Trainer Ben Talib durchaus verdient ihre ersten Früchte und überreichten dem unterlegenen Hausherr imaginär die rote Laterne.
Sämtliche statistische Vorzeichen spiegelten den bahnbrechenden Stellenwert wider. Im Ortsteil von Seeheim/Jugenheim buhlte das einzige Klassenmitglieds-Tandem bar jeglicher Rendite für die aus Umstoßen des Ergebnisbocks und Herumreißen des Ruders beinhaltende Mixtur einer sportlich zuversichtlicheren nahen Zukunft. Während im Pfungstädter Süden auf den Hof-Flohmärkten der Verkaufsbär steppte, konnte sich rund zehn Kilometer entfernt der mitgereiste Anhang vom Anpreisen des kickenden Potenzials überzeugen. Zwei Fans pilgerten allerdings verspätet ein, weil sie im Navi-Gerät versehentlich Nieder-Beerbach einprogrammierten.
Coach Talib musste auf seine etatmäßigen respektive privat verhinderten Torsteher Nikola Rehak und Marcel Wesp verzichten, weshalb Tawfik Tammo Atie den Posten zwischen den Pfosten bekleidete. Leider währte sein Kreisliga A – Comeback nur rund zwanzig Minuten. Bei einer Rettungstat ohne gegnerische Einwirkung verdrehte Tammo Atie so unglücklich sein Knie, dass ein Rettungswagen alarmiert werden musste und ihn zur Halbzeit mit Verdacht auf Kreuzbandriss in ein Krankenhaus transportierte. Sogar der Himmel weinte hierzu und schickte durch die geöffneten Schleusen im Platzregen-Format seine Genesungsgrüße, denen sich der RSV Germania natürlich herzlichst anschließt.
Auf dem Kunstrasengeläuf war nun selbstredend guter Rat teuer. Wer sollte in die vakante Goalie-Bresche springen? Schließlich „opferte“ sich Nicklas Buth. Dank dessen Transformation vom Abwehrhünen zum springenden Panther konnte der Schiedsrichter nach einer langen Warteschleife das Match fortsetzen.
Wie einst Norbert Nigbur oder Rudi Kargus: „Elfmetertöter“ bzw. Aushilfskeeper Nicklas Buth bei seiner neuen Paradedisziplin….

In der finalen regulären Minute des Eröffnungsabschnitts führte Max Meier jegliche Bewacher an der Nase herum und brachte durch seinen erfolgreichen Abschluss die RSV-Supporter erstmals in Wallung. Die logischerweise exzessive Nachspielzeit mündete im Ausgleich von Elijah Kolbe. Nach dem Seitenwechsel näherte sich das Souterrain-Kräftemessen der Kreisliga A bezüglich Intensität und Hektik langsam, aber sicher dem samstäglichen „Dockers Derby“ zwischen Millwall und West Ham United an.
Die zweite RSV-Führung resultierte aus einer brachialen Freistoßgranate von Patrick Dommert, die über Umwege vor den einschweißenden Füßen Max Meiers im Netz zündete. Wenig später deutete der am 91. Wiegenfest von Walter Eschweiler ähnlich souverän leitende Referee im germanischen Sechzehner auf den Punkt, aber Marc Sturm fand in dem die Flugbahn des Balles förmlich riechenden Nicklas Buth seinen Meister. Jürgen Klopp hätte wohl mit seinen Länderspielnominierungen noch ein paar Tage warten sollen, sonst wäre ihm für die Besetzung der Nummer Eins wohl ein neuer Name ins Auge gesprungen…
Trotzdem musste der Rasensportverein die zweite Egalisierung verkraften (unhaltbarer Volleyschuss). Von diesem Dämpfer ließ sich das Selbstbewusstsein nicht erschüttern. Max Meier legte kurz vor Feierabend optimal für Maurice Rippert auf, der die Kugel mühelos zum frenetisch umjubelten 3:2 ins Gehäuse drückte. Auch die turbulente Extratime bewältigte der Gast vom Grünen Steg schadlos – auch weil Buth immer wieder seine Hände im Spiel hatte. Ein helfendes Privileg, welches ihm aber ab der nächsten Begegnung von Coach Talib gewiss wieder verboten wird.
Nach dem ersten Kreisliga A – „Dreier“ weist das Klassement statt nervender Schlusslicht-Berufung ab sofort die drittletzte Stufe aus. Ergo ein deutliches Indiz, dass in Ober-Beerbach einer der wertvollsten Germanen-Siege seit 9 n. Chr. glückte, als Cheruskerfürst Arminius im Teutoburger Wald den Catenaccio der von Varus dirigierten römischen Nationalmannschaft entzauberte.
Aufstellung: Tammo Atie (28. Morris), Hemmpel, Wolf, Buth, Velez Gomez, Dommert, Kalai, Singh, Meier, Rippert, Köroglu (90. Caruso)
Tore: 0:1 Meier 45. 1:1 Kolbe 45. + 8 1:2 Meier 60. 2:2 Kolbe 76. 2:3 Rippert 87.
Besonderes.:
„Katze“ Buth pariert FE von Marc Sturm (SKG) 67.;
Gelb-Rot Höpfner (SKG) 70. & Rot Merzak (RSV) – beide als Auswechselspieler nach „Animositäten“ gegenüber dem Unparteiischen
Zum gleichen Zeitpunkt sackte die „Reserveauswahl“ bei TuS Griesheim den achten Sieg in Folge ein (1:0) macht dadurch den perfekten Nachmittag des Rasensportvereins perfekt.
Das wegen dem extrem unterschiedlichen Teilnehmer-Quantum schon doppelt so viele Partien wie die „Erste“ abgearbeitete Zweitmannschaftsteam setzt bereits am Dienstagabend um 19Uhr30 beim TSV Nieder-Ramstadt sein Mammutprogramm fort. Am Wochenende dürfen beide germanische Aktiven-Ensembles die Beine hochlegen oder könnten theoretisch zusammen über den Griesheimer Zwiebelmarkt flanieren. Auf diesem Halli Galli - Anlass wurde den gesplitteten Verlegungswünschen von Gastgeber SV Croatia entsprochen. Die Auswärtsprüfungen am „Dürren Kopf“ steigen mit Verspätung am Dienstag (29.09., Kreisliga C) bzw. Donnerstag (01.10., Kreisliga A). Hier wie da ertönt der Anpfiff um 19Uhr30.
