Am 25. Kreisliga B – Spieltag wurde der RSV Germania 03 seinem Favoriten-Status vollauf gerecht und überfuhr die überforderte Fan-Mannschaft des SV Darmstadt 98 mit 10:1. Durch den zwölften Sieg in ununterbrochener Reihenfolge stellten Trainer Ben Talib und seine Schützlinge einen aus der Saison 07/08 datierten Klubrekord ein und verewigten sich im blau-weißen Almanach. 

 

Vierzig Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl und 37 Jahre nach dem Steinhagel für den Pressewart in Rotterdam stand ein ergebnistechnischer Super-GAU nie zur Debatte. Im Gegenteil: Die Chronisten erlebten wieder einmal eine Story, die nur der Fußball schreibt. 2008 vervollständigte das damalige Team von Coach Bodo Mattern das „Dreier-Dutzend" durch ein 10:1 gegen Opel Rüsselsheim. Da ließ sich das aktuelle Team natürlich nicht lumpen und feierte die Bestmarken – Egalisierung mit dem identischen opulenten Erfolgsresultat.

 

Zu Beginn der Partie litten einige Protagonisten (darunter auch Platzordner und ehemalige Präsidenten) noch an Problemen mit der zweigleisigen Konzentration. Auf der einen Seite verfolgten sie das Geschehen auf der Kunstrasenwiese und zum anderen starrten ihre Pupillen auf das Handy, um sich über die Schalker Aufholjagd beim Zweitliga-Gipfeltreffen zu informieren.

 

Als das Happyend von Ostwestfalen endlich durchsickerte, führten die Germanen bereits 4:0. Max Meier eröffnete nach einem Foul an Velez Gomez bereits in Minute Vier vom Punkt den Reigen, woraufhin Markus Laston, Mauro-Jelson Fernandes (die erste Bude des Winterneuzugangs war eine optische Augenweide) und erneut Meier beizeiten für klare Verhältnisse sorgten. 

 

Durch das frühe Einschlag-Quartett schraubte der Rasensportverein sein Saisonkonto auf 99 Treffer. Für das dreistellige Jubiläums-Tor musste einfach ein fesselnder Hingucker den Grünen Steg berieseln. Der kurz hinter der Mittellinie postierte Marlon Velez Gomez erspähte, dass sich 98-Schlussmann Joschua Möller viel zu weit vor der Linie tummelte und packte den Hammer aus. Sekunden später zischte die Distanz-Fackel ins Netz, woraufhin der verblüffte Kameramann zum Einschicken des Filmmaterials an die ARD-Sportschau für das Tor des Monats April gebeten wurde.

 

Patrick Dommert legte noch vor der Pause das 6:0 nach. Auch im zweiten Abschnitt kannten die Germanen kein Erbarmen. Wiederum gab Max Meier per Strafstoß den Startschuss zur Fortsetzung des Schützenfestes. Nach seinem 49. Saisontreffer hob die Einschweiß-Maschine allerdings die „goldene Torhochzeit“ für die nächste Begegnung auf und demonstrierte seine soziale Ader.

 

Schon das 2:0 von Laston sowie das 6:0 von Dommert hatte Meier uneigennützig vorbereitet. Auch bei den restlichen Toren bediente er Mehmet Köroglu, Hishyar Ibo und Maurice Rippert so mustergültig, dass seine Kameraden praktisch nur noch das Füßchen hinhalten mussten. Sogar einen dritten Elfmeter überließ der Standardvollstrecker Miloud Merzak, der aber beim Verwertungsversuch den Ball á la Uli Hoeneß oder Willibald Bernecker weit über den Kasten donnerte.

 

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Paroli der tapferen Lilien am 462. Geburtstag von William Shakespeare zwar einer verlorenen Liebesmüh ähnelte, aber sie fighteten bis zum Feierabend für eine Score-Kosmetik und wurden dafür mit dem Ehrentor von Manuel Schütz belohnt. Auch die „Zweite“ des RSV durfte jubeln und bezwang Germania Eberstadt II 2:1. Damit ist man jetzt seit fünf Runden unbezwungen und pirschte ins Mittelfeld der Kreisliga C – Tabelle vor. 

 

Aufstellung: Rehak, Morris, Wolf, Dommert (55. Merzak), Kalai, Fernandez (29. Botezatu), Velez Gomez (71. Sabbagh) , Meier, Köroglu (64. Caruso), Rippert, Laston (55. Ibo) 

Tore: 1:0 Meier 4. FE 2:0 Laston 10. 3:0 Fernandez 16. 4:0 Meier 19. 5:0 Velez Gomez 32. 6:0 Dommert 38. 7:0 Meier 50. FE 8:0 Köroglu 62. 9:0 Ibo 68. 9:1 Schütz 76. 10:1 Rippert 84.

 

Mit einem weiteren Sieg würden sich die Kicker von Ben Talib am kommenden Spieltag in Gräfenhausen (Sonntag; Anstoß 15Uhr) als alleiniger Rekordhalter im germanischen Geschichtsbuch verewigen. Den dreizehnten „Dreier“ in Serie dürfte der wartende Gastgeber allerdings mit Sicherheit nicht ohne Gegenwehr erlauben. Nach einem enttäuschenden ersten Saisondrittel, während dem es u.a. eine 1:10-Klatsche am Grünen Steg setzte (die Buden teilten sich Max Meier mit fünf sowie Hishyar Ibo mit vier Einlochungen praktisch im Alleingang auf) pendelt die SKG seit Wochen auf der Positiv-Spur und hat sich als sechstbeste Rückrunden-Elf von der Abstiegszone verabschiedet. Das Reserveteam kann seine Erstmannschaftskollegen lautstark unterstützen, weil man in der Kreisliga C turnusgemäß spielfrei ist.