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News - Fussball

Um das Winterloch ein wenig zu stopfen, gehen wir mal wieder auf eine Zeitreise in die germanische Vergangenheit. Diesmal steuert uns der DeLorean von Doc Emmett Brown zurück in die Saison 1972/73, als der Rasensportverein als krasser Außenseiter die lokale Fußballwelt auf den Kopf stellte und bis in den Hessenpokal vordrang.

 

Sommer 1972: Manfred Jelitto ist während seiner zweiten Amtsperiode am „Grünen Steg“ wieder im dritten Jahr Trainer des Traditionsvereins aus dem Pfungstädter Osten. Unterstützt vom umtriebigen ersten Vorsitzenden Wilhelm „Archi“ Crößmann, der die Infrastruktur des Klubgeländes mit Siebenmeilenstiefeln vorantreibt, bereitet der Übungsleiter seine Mannschaft auf die neue Runde vor. Damals wie heute dient die B-Klasse Darmstadt als sportliche Heimat und die Rückkehr in die Kreisliga A ist das erklärte Ziel.


Um der Wunschvorgabe gerecht zu werden, lotsen Jelitto und Crößmann teilweise „namhafte“ Neuzugänge an die Ostendstraße. Neben Wolfgang Schneider (von SKG Ober-Beerbach), Klaus Brosien (TG 75 Darmstadt) und Wilfried Sudheimer (Olympia Biebesheim) sind vor allem Dieter Kappermann (von der TSG 46 Darmstadt und heute noch emotionaler Fan bei den Heimspielen) und Horst Parysol zu nennen. Parysol wechselt von TuS Griesheim zur Germania und kickte zuvor erfolgreich am Bölle für die Darmstädter Lilien in der zweitklassigen Regionalliga Süd und am Gehmerweg für den FC Arheilgen in der Hessenliga.


Zum Rundenauftakt wird das blau-weiße Team dank jeweils 2:1 gewonnen Siegen gegen SKG Bickenbach (beide Treffer erzielt Dieter Kappermann, der damit einen Traumeinstand hinlegt) sowie bei Grün-Weiß Darmstadt seinen Vorschusslorbeeren gerecht. Aber im dritten Match (2:3-Heimpleite gegen den späteren Meister Spvgg Seeheim-Jugenheim) setzt es den ersten Dämpfer und von da an ist auf dem Punktspielsektor reichlich Sand im Getriebe.


Zwar lässt der Rasensportverein hier und da sein Potenzial aufblitzen (z.B. beim 7:1-Scheibenschießen zu Hause gegen SKG Gräfenhausen), doch das Leistungsdiagramm wirft zu viele schwankende Linien aus. Hinzu gesellt sich negativ, dass viele junge Spieler wegen ihrem Bundeswehrdienst nicht regelmäßig am Trainings- bzw. Spielbetrieb teilnehmen können und Horst Drott (ja unser leider viel zu früh verstorbener „Mr. Germania“, der später über zwei Dekaden eindrucksvoll die sportlichen Geschicke leitete) beim teuer bezahlten 3:2 gegen TuS Griesheim einen Beinbruch erleidet.


Spätestens nach dem 1:3 im Rückkampf vor über 600 Zuschauern in Seeheim-Jugenheim ist prinzipiell klar, dass der Aufstiegszug ohne germanische Passagiere abfährt. Am Ende belegen die Jelitto-Schützlinge hinter Champion Seeheim, Bickenbach und Gräfenhausen den vierten Tabellenplatz (88:47 Tore, 42:18 Punkte) und müssen ihre Beförderungsambitionen um zwölf Monate verschieben.


Für die etwas enttäuschende Verbandsrunde hält sich der Rasensportverein auf der zweiten Pflichtspielbühne schadlos. Und das in einem nie erwarteten Positivausmaße. Zum Prolog dieses separaten Wettbewerbs hätte wohl niemand gedacht, dass beim Epilog der größte Vereinstriumph der Nachkriegshistorie blau auf weiß im Almanach fixiert wird.


Wahrscheinlich angespornt vom gerade abgelieferten DFB-Pokalsieg der 1974 und 1977 zweimal am Grünen Steg zu Freundschaftsduellen auflaufenden Vereinsfarbenkultkollegen vom Schalker Markt (unvergessen das dank „Keeper-Zerberus“ Norbert Nigbur heroische Elfmeterdrama im Halbfinale gegen den Kölner Geißbock und die LI-BU-DA – Stakkatorufe über dem Hannoveraner Niedersachsenstadion nach dem 5:0 im Endspiel gegen die Lauterer Betzebuwe) initiiert der RSV ein „paar“ Cupetagen tiefer einen sensationellen Höhenflug.


Die traumhafte Überraschungsserie gegen die jeweiligen Favoriten beginnt mit einer Prüfung gegen Bezirksligist SG Egelsbach, die der Underdog aus der B-Klasse mit 2:1 nach Verlängerung für sich entscheidet. Nach dem 0:1-Rückstand mutiert Neuverpflichtung Klaus Brosien zum Mann des Tages, indem er vor 620 begeisternden Fans am Grünen Steg aus spitzem Winkel zum Ausgleich einlocht und in der Extratime den Ball in Folge einer Ecke zum umjubelten 2:1 einköpft.


Durch diesen Eröffnungsstreich ist der Einzug ins Kreispokalfinale gewährleistet. Dort wartet am Buß- und Bettag (22.11.1972) auf dem neutralen Terrain des Griesheimer Hegelsberg A-Ligist Germania Eberstadt auf den „Pungschter Vornamensvetter“. Schon in der siebten Minute knipst Bernhard Wesp zum „Golden Goal“ ein. Dieses knappe Guthaben schaukeln die Germanen leidenschaftlich über die Runde, weil Vorstopper Walter Voß den „Erwerschter“ Torjäger Günter Buttler an die Kette legt und Goalmann Herbert „Seppl“ Krautzberger - wie immer akkurat frisiert - mit etlichen Glanzparaden die gegnerischen Stürmer (Buttler, Hofmann, Laut, Heim) zur Verzweiflung bringt.


Die Erfolgsstory findet ergo auf dem Bezirkspokalareal eine Fortsetzung. Als nächster „Gelackmeierter“ beißt der SV Geinsheim (A-Klasse Darmstadt-West) trotz Heimvorteil ins sportliche Gras. Die Germanen reisen eigentlich ohne große Hoffnungen in den Treburer Stadtteil, zumal Brosien, Kappermann, Parysol, Schneider und Rosandic angeschlagen ausfallen. Aber das „letzte Aufgebot“ wächst über sich hinaus. Die frühe Führung von Sudheimer spielt dem Außenseiter in die Karten respektive veranlasst ihn zu einer fruchtbaren Kontertaktik.


Ungeachtet der kassierten Egalisierung nach einer Stunde fahnden die Germanen fortan nach schnellen Gegenstößen. Einer davon mündet in einem Foul an Wesp im Sechzehner. Den fälligen Elfer verwandelt Horst Drott im ersten Einsatz nach seiner langen Verletzungspause nervenstark (73.). Die erneute Vorlage baut Reinhard „Pim“ Bittner aus. Noch einmal wittert Geinsheim durch den 2:3-Anschlusstreffer Morgenluft, ehe der zweite Streich von Horst Drott zum 4:2-Endstand alles klar macht und das Weiterlesen der germanischen Überraschungsmesse garantiert.


Helau-Rufe begleiten die nächste zu übersteigende hohe Hürde. Am Fastnachtssamstag 1973 (03. März) empfängt der RSV den alten Rivalen FV Biblis am Grünen Steg. Ein Eigentor des Gästeakteurs Held begünstigt den wiederholten Clou des unterklassigen Hausherren. Danach folgt eine wahre „Abwehrschlacht“, welche die Germanen durch die bestens funktionierende Defensivachse Krautzberger (Torwart), Borchardt (Libero), Voß (Vorstopper), Reinhardt und Rosandic (beide Außenverteidiger) schadlos überstehen.


Das 1:0 bugsiert den blau-weißen Tross ins Bezirkspokalendspiel, wo der SV Münster als bislang größte Opponentenhausnummer (Gruppenliga Süd, die heutige Verbandsliga) bereits mit den Hufen scharrt. Drei Klassen Unterschied: Da scheint doch wohl der Käse bereits vor dem Anpfiff gegessen. Austragungsort ist der 46er-Sportplatz am Woog. Linksaußen Witzel katapultiert den glasklaren Favoriten in der Anfangsphase erwartungsgemäß nach vorne.


Doch auch der SVM hat die Rechnung ohne den Wirt namens Rasensportverein gemacht. Wie ihre Vorfahren ca. 2000 Jahre früher gegen die römischen Invasoren fighten die Germanen voller Inbrunst um ihre kleine Chance und blasen ins Parolihorn. Eine Viertelstunde vor Ultimo glückt Dieter Kappermann nach perfekter Vorarbeit von Sudheimer der frenetisch gefeierte Ausgleich. Fünfzehn Minuten später schleppt sich der RSV in die Verlängerung, wo man auf der allerletzten Rille das Unentschieden und damit ein Wiederholungsspiel an gleicher Stätte sichert (Elfmeterschießen gibt es im Amateurbereich noch nicht).


Am Ostersamstag pilgern die Germania-Anhänger also nicht nach Rom, sondern wieder zur Woogswiese, wo scheinbar ebenfalls alle Wege hinführen. Auch bei der Finalneuauflage zeigen Jelittos Mannen keinen Respekt vor großen Namen. Im Gegenteil: Bernhard Wesp zaubert in der 18. Minute per Hacke die Kugel ins Münsteraner Netz. Der Überhammer ist damit spruchreif: Bezirkspokalgewinner. Stolz formiert sich die Mannschaft (Herbert „Seppl“ Krautzberger, Jürgen „Joe“ Borchardt, Walter Voß, Horst Parysol, Lothar Rußwurm, Zlatko Rosandic, Wilfried Sudheimer, Horst Drott, Manfred Crößmann, Bernd Sinner, Dieter Kappermann, Klaus Reinhard, Kurt Kuntze, Reinhard „Pim“ Bittner und Bernhard Wesp) zusammen mit Trainer Manfred Jelitto, Vorsitzendem Wilhelm „Archi“ Crößmann und Spielausschussobmann Heinrich „Heino“ Kaffenberger zum Triumphfoto.


Der Einmarsch in die erste lukrative Hessenpokalrunde beschert den Germanen einen dicken Brocken. Die Los-Fee zieht aus dem Topf den SSV Bottenhorn (Pokalsieger des Bezirks Gießen/Marburg), der den Zusatz „Auf der Heide“ im Vereinsnamen trägt. Bottenhorn ist noch eine selbstständige Stadt und wird erst ein Jahr später (1974) im Zuge der hessischen Gebietsreform in die Gemeinde Bad Endbach (Landkreis Marburg-Biedenkopf) eingegliedert. Das fußballerische Aushängeschild SSV kickt wie Münster in der viertklassigen Gruppenliga (Staffel Mitte).


Dienstag, 01. Mai 1973: Am Grünen Steg begutachten 950 Zuschauer (!) den Prall auf das Stoppschild des Erfolgsmärchens. Letztendlich erweist sich der drei Stockwerke höher gegen den Ball tretende Gruppenligist als eine Nummer zu groß, auch wenn sich die Germanen mehr als achtbar aus der Affäre ziehen. Beweis dieser These ist der Kopfballeinschlag von Kuntze zum 1:1 kurz nach der Halbzeit. Aber das 1:2 fällt zu schnell, um noch einmal produktiv zu antworten. Bottenhorn stockt das Ergebnis auf 4:1 auf, ehe Pim Bittner zum finalen Score von 2:4 aus germanischer Sicht noch Resultatskosmetik betreibt.


Das Ende der Pokalhysterie schockt niemanden im germanischen Lager. Zwölf Monate darauf holt die Mannschaft das in der Liga Versäumte nach und steigt in die A-Klasse auf. Nach zwei weiteren Meisterschaften ist 1977 der Durchmarsch in die heutige Verbandsliga aktenkundig. Bereits 1976 steigt der SSV „Auf der Heide“ Bottenhorn aus der Gruppenliga ab und wird nie mehr in den oberen Ligasphären erblickt. Aktuell sind die Mittelhessen auf dem zweiten Platz der Kreisliga A Biedenkopf positioniert und peilen den Sprung in die Kreisoberliga an.


Die damalige Auseinandersetzung RSV vs. SSV blieb ein fußballerischer „One Night – Stand“ zwischen beiden Klubs. Vielleicht ist ja eines Tages eine Testspielvereinbarung zwecks einer verspäteten Revanche möglich, um die Erinnerungen mal wieder Richtung der unglaublichen Saison 72/73 schwelgen zu lassen…

 
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