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News - Gesamtverein

Während den 1970ern zweimal die ruhmreichen Knappen vom Schalker Markt, mehrfach die benachbarten Darmstädter Lilien und einmal sogar der aktuelle englische Champion Manchester City: Ein kleines Potpourri wohlklingender Kultklubs, die einst dem RSV Germania 03 Pfungstadt die Ehre erwiesen, für ein Freundschafts- respektive Jubiläumsspiel ihre Visitenkarte auf dem Sportgelände an der Ostendstraße abzugeben. Am kommenden Sonntag (08.07.) reiht sich nun der SV Waldhof Mannheim in diese illustre Runde ein, was vor dem Anstoß um 14 Uhr natürlich zig Gründe für eine würdigende Story über den Ex-Bundesligisten liefert.


Seit dem Abstieg aus dem Oberhaus 1990 wurden die schon vor dem Krieg wegen ihrer profitablen Jugendarbeit liebevoll Buben (kurpfälzisch „Buwe“) genannten Kicker aus der Quadratenstadt an der Neckarmündung in „Vater“ Rhein  wahrlich nicht mehr ausgiebig vom Erfolg geküsst. Vor allem in den vergangenen drei Spielzeiten verweigerte Schicksalsgöttin Fortuna auf hartnäckigste Art und Weise dem Waldhof ein Hosiannaerlebnis in Form der sportlichen Beförderung. Die Narben des misslungen „Relegationshattricks“ sind sicherlich noch nicht verheilt.


Nach der „flotten Lotte“ aus dem Tecklenburger Land 2016 und dem SV Meppen aus dem Emsland 2017 vereitelte der Grotifant vom KFC Uerdingen als nächster nicht zu bezwingender Kontrahent vor wenigen Wochen den Aufstieg in die Drittklassigkeit. Die Ereignisse vom Rückspiel im Carl-Benz-Stadion (Abbruch in der Schlussphase beim Stand vom 1:2 nach einer von wenigen „Frustrationsfans“ angezettelten Pyro- und Böllerorgie) kosteten dem Verein nicht nur eine happige Geldstrafe, sondern eventuell auch einen eklatanten Neunpunkteabzug für die anstehende Regionalligasaison. Das endgültige Urteil hierüber fällt das DFB-Sportgericht am 5. Juli. Ein drakonisches Defizit von minus neun Zählern zum Rundenstart wäre umso ärgerlicher, weil am Saisonkehraus 18/19 erstmals seit Einführung der viertklassigen Südwestabteilung 2012 ein Meister automatisches Aufstiegsrecht genießt. Mit dieser drohenden Hypothek im Gepäck können die Blau-Schwarzen ihr Ziel wohl erneut abhaken, bevor erstmals der Pflichtspielball rollt.


Der Aufschwung der Waldhof-Buben ist also ins Stocken geraten. Ähnlich war es nach dem Krieg, als ausgerechnet der ewige Lokalkonkurrent VfR die einzige deutsche Meisterschaft einer Mannheimer Fußballauswahl feierte. Mit einem 3:2 nach Verlängerung bei der berühmten Hitzeschlacht von Stuttgart über die gelb-schwarzen Repräsentanten vom Borsigplatz wurde den Rasenspielern als erster Mannschaft die gerade erst angefertigte Schale alias Salatschüssel überreicht. Die Rivalität mit dem VfR ist in „Monnem“ eine Never Ending – Story. Öfters lagen zur Kräftebündelung Fusionspläne auf dem Schreibtisch, die wegen unüberbrückbaren Animositäten auf beiden Seiten dann stets in der Schublade vergilbten. Aktuell kickt Waldhof viertklassig und der VfR sogar nur in der sechstklassigen Verbandsliga Nordbaden. Eigentlich ein Unding für solch eine fußballbegeisterte Metropole.


Kein Wunder also, dass der Waldhof bei der Bundesligapremiere 1963 weit außen vor war und sich in der alten Regionalliga Süd akklimatisieren musste. Dort wurde man mit Ausnahme der Jahre 1970-1972 Stammgast und deshalb auch 1974 zum Gründungsmitglied der neuen Zweiten Liga deklariert. Von 1972 bis 1978 hörte der Verein auf die Zusatzanrede „Chio“, weil der nebenan in Frankenthal produzierende Kartoffelsnackhersteller ein „paar“ Sponsorenmark locker machte. Doch erst als die „Buben“ den kalorienreichen Chips entsagten und die heute noch geltende Titulierung SV Waldhof Mannheim akkreditierten, richtete sich der Daumen peu á peu nach oben.


Und dann kam sie, die legendäre Saison 82/83. Völlig überraschend mischte der SVW die Zweite Liga auf und zeigte allen Favoriten eine lange Nase. Grundlage für den Triumph war die profitable Verzahnung aus Säulen des deutschen A-Jugendmeisterteams von 1980 (Keeper Uwe Zimmermann, die Tsionanis-Brüder, Ulf Quaisser, Alfred Schön und Volker Kispert) mit den bereits etablierten und ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs stammenden Korsettstangen Dieter Schlindwein, Roland Dickgießer und natürlich Urgestein Günter Sebert, der beim Waldhof einen ähnlichen Verehrungsstatus genießt wie Uwe Seeler beim inzwischen endgültig ausgestorbenen Dino. Sowohl Uns Uwe als auch Sebert scheffelten trotz verlockender Angebote nie Geld bei anderen Brötchengebern.


Hinzu gesellten sich Wolfgang Böhni, Hans Hein, Walter Pradt, Kalle Bührer, Paul Linz und Fritz Walter (hier ist natürlich der spätere deutsche Meister beim VfB Stuttgart gemeint und nicht der wesentlich ältere pfälzische Nationalelfehrenspielführer). All diese (aus seinem Blickwinkel) Heroen kann ein älterer Waldhof-Fan auf Knopfdruck im Schlaf herunterleiern. Fehlt noch der Häuptling dieser aufstrebenden „Rasselbande“, der statt Indianerschmuck meist einen Pepita-Hut auf dem Haupt trug und später neben dem ureigenen kurpfälzischen Slang auch chinesische Vokabeln in seinem Sprachschatz integrierte. Klaus Schlappner hatte als Co- und Interimstrainer der Darmstädter Lilien (u.a. 78/79 in der Beletage während der „Feierabendprofisaison“) seine Debütmeriten auf dem Übungsleiterposten verdient und formte „sei Waldhöfer“ 1983 zu einem erlauchten Angehörigen der achtzehn besten deutschen Mannschaften.


Mit dem Gipfelsturm entstanden allerdings neue Probleme. Das seit 1924 im Arbeiterviertel Waldhof als Heimstätte dienende altehrwürdige Stadion am Alsenweg (heute „Sepp-Herberger-Stadion“) genügte nicht den Bundesligaansprüchen, weshalb der SVW auf die andere Rheinseite nach Rheinland-Pfalz ins Ludwigshafener Südweststadion ausweichen musste. Trotz des Umzugs behauptete sich der SVW gegen die arrivierten Größen und zementierte Jahr für Jahr den Klassenerhalt, auch weil neue „Buwe“ dem Talentschuppen entsprangen (Jürgen Köhler, Maurizio Gaudino). 1987 folgte dann ein negativer Personalknacks. Kohler, Gaudino und Walter erlagen dem Mammon des hochdotierten Establishments, Rekordspieler Sebert (seit 1957 im Verein!!) hängte seine Schuhe an den Nagel und Klaus Schlappner heuerte wieder beim SV Darmstadt 98 an.


Mit einer großen Portion Dusel fand der unabsteigbare Kontext dennoch zunächst einmal eine Fortsetzung – sehr zum Leidwesen ausgerechnet von Schlappi. Die tabellarischen Verhältnisse  wollten es so, dass die jetzt vom Bibliser Elektromeister angeführten Lilien als Relegationsgegner den Waldhof zum Tanz um die letzte freie Bundesligastelle forderten. Nach dem Prolog (3:2 am Bölle und 2:1 im Südweststadion jeweils für die Gastgeber) wurde der Epilog mit der Überschrift „Himmelhoch jauchzend contra zu Tode betrübt“ auf dem neutralen Geläuf des Saarbrücker Ludwigsparks geschrieben. 120 die Nerven zerfetzenden Minuten konnten keinen Sieger ermitteln (0:0) und darum diktierte das einzige Elfmeterschießen der Relegationshistorie über Sein oder Nichtsein auf der Bundesligabühne.


Der SV98 hatte es in Person des nominell treffsichersten Strafstoßschützen Kalle Emig in der Hand, doch dessen Ausführungsversuch entpuppte sich als bessere Rückgabe. Vielleicht erinnerte sich Emig an 1980 und hatte Mitleid mit seinem den SVW-Kasten hütenden  ehemaligen Teamkameraden Uwe Zimmermann (beide wirkten beim Waldhöfer A-Jugend-Titelgewinn 1980 als Leistungsträger mit). Fünf Elfer später schickte Bernd Klotz den Lilien ein Knockoutklotz ans Bein, was jedem eingefleischten Heiner noch heute schwer im Magen liegt und man kann nachvollziehen, dass angesichts des dritten Mannheimer   Aufstiegslotteriefauxpas en block vor einigen Wochen rund um den Woog und Langen Lui von einer „späten Rache des Relegationsgottes“ philosophierte wurde…


1989 kehrte der SVW nach einem sechsjährigen Exil vom anderen Ende der Rheinbrücke heim an den etwas aufgepeppten Alsenweg. Ausgerechnet im lange vermissten Wohnzimmer wurde dann zwölf Monate darauf das Bundesligakapitel ad acta gelegt - obwohl mit Thomas Franck der nächste Bub die große Bühne betrat, nichtahnend, dass er im Spätherbst seiner Laufbahn auch noch das Trikot des RSV Germania 03 tragen sollte (2003-2005). Franck war übrigens nicht der einzige Waldhöfer Profi, der später für den Rasensportverein an der Ostendstraße aktiv war. Stellvertretend seien hier noch Ronald Hoop und David Wagner (der heutige Erfolgscoach vom englischen Erstligisten Huddersfield Town) genannt. „Germone und Buwe“ verbindet also nicht nur Affinitäten der Vorkriegsära (dazu kommen wir gleich), sondern auch personelle Gemeinsamkeiten nach dem Millennium.


Vier Jahre nach dem Absturz aus der Eliteabteilung hatte die Stadt Mannheim endlich ein bundesligataugliches Stadion. Allerdings nicht im Waldhof, sondern auf dem Areal des alten Rhein-Neckar-Stadions in der Oststadt. Damit endete ein jahrzehntelanger Debattenhickhack um den Standort, der prinzipiell schon 1956 begann. Doch die nach dem Pferdestärkenpionier Carl Benz (Erfinder des ersten Autos) benannte Arena kam zu spät. Nach der Luftveränderung konnte die SVW-Mannschaft nicht mehr mit dem neuen Prunkstück mithalten.


1997 purzelten die Buben in die Drittklassigkeit und nach einem Zweitligacomeback zwischen 1999 und 2003 sind die beiden höchsten deutschen Spielklassen in der Quadratenstadt nur noch Fiktion. Zwischenzeitlich musste der stolze Verein sogar über die fünftklassigen Felder der baden-württembergischen Oberliga tingeln. Seit 2011 ist die Regionalliga als grauer Nonstop-Alltag zementiert, auch weil die Relegationsseuche in den zurückliegenden drei Jahren unbarmherzig wütete.


Nicht wenige sehnen in „Mannem“ daher natürlich die glorreichen Epochen zurück. Außer der Bundesligaphase sind diese erfreulichen Perioden hauptsächlich aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen datiert, als mit Otto Siffling und Sepp Herberger die neben Günter Sebert wohl populärsten Fußballsöhne Mannheims (ob das Trio der heute noch trällernden Musikgruppe um Xavier Naidoo die Idee für ihren Bandnamen suggerierte, ist nicht überliefert) den Umgang mit dem runden Leder virtuos beherrschten.


Siffling ballerte in den 1930ern für den damals in den höchsten Ligen mitwirkenden Waldhof Tore am Fließband und knipste auch in der Nationalelf regelmäßig (17 Buden in 31 Spielen). Zu Ehren des bereits 1939 im Alter von nur 27 Jahren an einer Rippenfellentzündung verstorbenen Stürmers  ist ein Teil der Tribüne im Carl-Benz-Stadion nach ihm benannt.


Mit Sepp Herberger assoziiert ein „oberflächlicher Fußballexperte“ in erster Linie das Wunder von Bern, das der „Chef“ als ausgewiesener Trainerfuchs minutiös plante und in finaler Instanz vom „Boss“ perfektioniert wurde. Der anno 1954 im Berner Wankdorf sechs Minuten vor dem Schlussgong abgefeuerte Hinterhaltsschuss Helmut Rahns gegen die unbezwingbar eingestuften Magyaren ist ungeachtet der 1974er-Einlochung des Nationenbombers zum 2:1 gegen Oranje, des Brehme-Elfmeters 1990 und der „Mach ihn“ – Auftragserfüllung von Mario Götze 2014 uneingeschränkt das wichtigste Tor der deutschen Fußballgeschichte.


Doch lange bevor Herberger der 1949 geborenen Bundesrepublik Leben einhauchte, wirkte er  als Prototyp eines Waldhof-Buben und damit schließt sich überraschenderweise der Kreis zu unserem RSV Germania 03 Pfungstadt. Vier Jahre nach der Klubgründung trat Seppl 1911 im Alter von vierzehn Lenzen dem Waldhof bei und kickte bereits ab 1914 für die „Erste“. Zwar wurde die Karriere wegen des in Sarajevo ausgelösten ersten Weltkriegs unterbrochen, doch nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs startete er richtig durch. Herberger förderte die sogenannte Waldhof-Schule und war somit lange vor Bern bereits in aller Munde.


1921 kam es dann zum Bruch. Herberger wechselte innerhalb der Quadratenstadt erst zu Phönix (für den er nie auflief) und dann zum VfR. Aufgrund eines Statutenverstoßes erhielt er zunächst eine lebenslängliche Sperre (!). Die Strafe wurde später auf ein Jahr reduziert, so dass Seppl ab 1922 für die Rasenspieler den Ball jonglierte. In der Öffentlichkeit hüllten sowohl die Offiziellen als auch Seppl bezüglich dem Anlass des ganzen Tohuwabohus immer den Mantel des Schweigens. Heutzutage sind aus verlässlichen Quellen die konkretisierten Beweggründe endlich bekannt.


Mit Karacho stieg der RSV Germania 03 Pfungstadt 1921 in die erste Abteilung der Kreisliga Odenwald auf und kämpfte als neues fußballerisches Aushängeschild der Weimarer Republik gegen die Darmstädter Lilien und eben den SV Waldhof um Punkte. Herberger fürchtete die Stärke des Emporkömmlings aus der Bierstadt zwischen den Autobahnen und verabschiedete sich von seinem Stammverein, um einer vielleicht der weiteren Laufbahn schadenden Konfrontation mit den Germanen aus dem Weg zu gehen. Wer dieser Hypothese keinen Glauben schenkt, ist selbst schuld.


Fakt ist unumstößlich, dass der Rasensportverein „dodemols“ mit dem Waldhof und den 98ern auf Augenhöhe unterwegs war. Als „Beweis“ hierfür genügt ein Klick auf die folgenden Verlinkungen der Internetseite „WikiWaldhof“ über die Rangliste 21/22 und dem Matchbericht von der kassierten 1:7-Pleite, denn auch ohne Herberger erwiesen sich die „Buwe“ dann doch als eine Nummer zu groß…


Saison 1921/1922

Spielbericht Waldhof – RSV


97 Jahre nach der 1921er-Abfuhr steht ergo am kommenden Sonntag eine „etwas“ verspätete sportliche Revanche auf der blau-weißen Agenda (ein letzter Schmunzler, denn sicherlich sind  manche Rubriken dieser nun endenden Novelle mit einem amüsierten Augenzwinkern versehen). Der RSV Germania 03 freut sich auf die Stippvisite seines prominenten Gastes im Pfungstädter Osten und wünscht allen Waldhöfern schon vorab einen angenehmen bzw. kurzweiligen Aufenthalt in der SGD Arena.

 

 
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