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News - Fussball

Die lange Winterpause bietet mal wieder Gelegenheit, die Zeitmaschine von H.G. Wells zu aktivieren. Allerdings reisen wir nicht in die Zukunft zu den Eloi und den Morlocks, sondern in die Vergangenheit. Und zwar ins Jahr 1987 auf die Sportplätze an der „Pungschter“ Ostendstraße und der Koberstädter Straße in Dreieichenhain. Diese zwei Kickstätten dienten anno dazumal für zwei nervenaufreibende Klassenerhaltsschlachten gegen den FC Hanau 93 -  inklusive Happyend pro Germania.

 

Beide Traditionsvereine traten in der Saison 86/87 auf dem Areal der viertklassigen Landesliga Süd (Vorgänger der heute sechstklassigen Verbandsliga) gegen den Ball, wobei der RSV als Aufsteiger und der zehn Jahre ältere respektive damit älteste hessische Fußballklub Hessens aus der Geburtsstadt der Märchenbrüder Grimm sowie von „Tante Käthe“ Rudi Völler als Hessenligaabsteiger agierte. Weitere statistische Randnotiz: Erstmals liefen die Germanen zu einem Punktspiel gegen ein ehemaliges Mitglied der 1974 installierten Zweiten Liga auf (78/79 gaben die 93er im Bundesligaunterbau ein zwölfmonatiges Gastspiel). Ein solches „Privileg“ durfte der Rasensportverein später lediglich noch gegen zwei weitere Rivalen genießen (VfR Bürstadt und Viktoria Aschaffenburg).


Das Konstellationsschicksal wollte es im Frühjahr 1987 so, dass die beiden Kontrahenten Kopf an Kopf um den Klassenerhalt kämpften. Auf den Zielgeraden warf mit FSV Bad Orb, FC Arheilgen und Starkenburgia Heppenheim ein Trio das Handtuch und quittierte die Degradierung in die tiefere Etage. Doch das Reglement sah noch einen vierten Direktabsteiger vor und hierfür kristallisierte sich ein Duell zwischen der Germania und Hanau heraus. Am vorletzten Spieltag zog die blau-weiße Mannschaft von Trainer Egon Bihn (einst Bundesligaprofi bei den Hanauer „Mainnebenbuhlern“ OFC und Eintracht) dank einem sportlich überlebenswichtigen 4:2 bei RW Walldorf mit den 93ern gleich.


Weil der Spielplangestalter ein Hitchcock-Näschen hatte, kam es beim Rundenshowdown zum  Kracher der unmittelbaren Protagonisten am „Grünen Steg“. Siegen oder Fliegen lautete das Motto. Der Gewinner blieb in der Klasse und der Verlierer musste absteigen. Allerdings funkelte noch eine dritte Alternative im Hinterstübchen. Da bei Punktgleichheit anders wie heute weder das Torverhältnis noch der direkte Vergleich relevant war, musste im Falle eines Unentschieden ein Entscheidungsspiel zwischen den identischen Opponenten folgen.


Ein solches Szenario wollten die von Egon Bihn extrem offensiv eingestellten Germanen an Christi Himmelfahrt unbedingt verhindern und legten vor heimischen Publikum (über 600 Zuschauer zahlten an der Kasse ihren Obolus) los wie die Feuerwehr. In der 18. Minute belohnte Volker Robbeloth den mutigen Start, indem er eine Flanke von Axel Meister per Flugkopfball verwandelte. Wenig später schnürte Robbeloth sogar den Doppelpack, als er nach einer Ecke von Didi Pötschke erneut mit dem Kopf einlochte. Das 3:0 entsprang einem Foul im Sechzehner an Thomas Krömmelbein, das der Schiedsrichter zu Recht mit der dafür vorgesehenen Strafstoßkonsequenz ahndete. Karl-Heinz-Henn vollstreckte souverän aus elf Metern und Hanaus Keeper Lothar Franke musste zum dritten Mal die Kugel aus dem Netz fischen.


Gerade mal eine halbe Stunde war absolviert und die Hausherren wähnten ihren angepeilten Rettungsplan bereits in trockenen Tüchern. Angesichts des scheinbar beruhigenden Vorsprungs stieg der Gerstenkaltschalenumsatz und die euphorisierten Fans stießen etwas voreilig auf den Ligaverbleib an. Schon in den nächsten Sequenzen mussten sie konstatieren, dass man das Fall des Bären nicht verteilen sollte, bevor er erlegt ist. Noch vor der Pause glückte Struth das 1:3 und als während der finalen Aktion von Hälfte Eins Henns zweiter Elfer diesmal von Franke pariert wurde, krabbelten die Zitteraale wieder über den Grünen Steg.


Im zweiten Abschnitt wollte dem RSV trotz guter Chancen das wohl entscheidende 4:1 nicht gelingen. Spätestens als Struth durch einen versenkten Freistoß die zweite 93er-Bude einzimmerte (67.), lagen beim blau-weißen Platzhirsch die Nerven blank. Acht Minuten vor dem Kehraus platzte das einst so komfortable Guthaben endgültig wie eine Seifenblase. Knapp markierte das 3:3 und wenn in der Schlussphase Peter Büttner junior nicht mehrfach sein Torsteherrepertoire demonstriert hätte, wäre das erste „Endspiel“ noch vollends in die Hose gegangen.


Nach dem kuriosen Remis mussten beide Seiten in einem Entscheidungsmatch auf neutralem Geläuf nachsitzen. Der Klassenleiter legte den Austragungsstand für die Saisonverlängerung in den Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain. An eine optimale germanische Vorbereitung war allerdings nicht zu denken. Nach dem offiziellen Rundenausklang flog die Mannschaft nach Ibiza zur schon lange gebuchten Abschlussfahrt, auf die man verständlicherweise trotz der wichtigen Zugabe nicht verzichten wollte. So fungierte die eigentlich nur zum Ausspannen geplante Baleareninsel intuitiv zusätzlich als kleines Trainingslager.


Mit einer Mixtur aus Vergnügen und Schweiß im Gepäck betraten Egon Bihn und seine Mannen am 5. Juni 1987 wieder deutschen Boden und jetteten keine 48 Stunden später zum diesmal definitiv finalen Runden-Halali in den Offenbacher Landkreis. Natürlich ließen auch die „Pungschter“ Fans ihre Balljongleure nicht im Stich. Zwei Stunden vor dem Kick-off setzte sich ein kurzfristig gecharterter Bus Ecke Sandstraße/Bahnhofstraße vom „Goldenen Anker“ in Bewegung und erreichte auch pünktlich seinen Bestimmungsort, obwohl der „teuflische“ bzw. gerade frisch den Großraumlimousinenführerschein bestandene Chauffeur noch leichte Koordinationsschwierigkeiten auf seiner Jungfernfahrt hatte und mit den Außenspiegeln die Hausfassaden küsste.


An der Koberstädter Straße in Dreieichenhain wehten also erneut die Farben Blau-Weiß (RSV) und Schwarz-Weiß (H93). Unter der Leitung von Referee Motowoytaszek aus Eckweisbach (nahe Fulda) bevölkerten diesmal sogar über 1000 Zuschauer das dort ansässige Sportgelände. Anders als beim „Original“ erwischten beim „Remake“ die Hanauer den adäquateren Auftakt. Schon in der zehnten Minute gestattete Drews Goalie Peter Büttner keine Abwehrmöglichkeit und ließ den „hessischen Kluboldie“ jubeln, worauf im germanischen Lager die bangende Frage hoch kochte: „Fordert der Ibiza-Aufenthalt seinen Tribut?“


Doch die Schützlinge von Egon Bihn straften die skeptischen Momentaufnahmen mit Lügen. Nach dem Seitenwechsel bewies das germanische Team, aus welchem Holz es geschnitzt war und dass die Kraftreserven perfekt eingeteilt wurden. Vor allem Didi Pötschke (stand vor seinem RSV-Engagement beim SV98 unter Vertrag und knipste am Bölle bei zwei Zweitligapartien einen Treffer) schwang in dieser wegweisenden Periode den Taktstock und produzierte eine Galavorstellung.


Seine verschickten Assists landeten gleich dreifach in perfekter Ausfertigung auf den Schädeln von Karl-Heinz Henn, Axel Meister und Volker Robbeloth, die mit ihrem „Einköpfhattrick“ für das Wendemanöver sorgten und den frenetisch gefeierten Landesligaklassenerhalt sicherstellten (in Dreieichenhain wackelten die Wände noch extremer als in der Vorwoche auf Ibiza), während Hanau die bittere Pille des zweiten Abstiegs hintereinander schluckte und diesem Kicklevel für dreißig Jahre adieu sagen musste. Erst im Sommer 2017 gelang den 93ern der  Wiederaufstieg in die jetzige Verbandsliga.


Das RSV-Team vom 3:1-Sieg in Dreieichenhain:

Peter Büttner, Volker Robbeloth, Jürgen Döhrer, Karl-Heinz Henn (77. Thomas Dutiné), Bernd Scherer, Axel Meister, Fatih Zeren (58. Raymond Agbemanyole), Frank Kaffenberger, Thomas Krömmelbein, Wolfgang Simon, Dieter Pötschke

 
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