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Der RSV Germania 03 hat am elften Spieltag der Kreisliga A zwar nur eine Halbzeit Fußball gespielt, aber dennoch den erwarteten „Pflichtsieg“ eingefahren. Nach einer unterirdischen Leistung während der ersten Hälfte lag das Team von Erik Appel beim abgeschlagenen Schlusslicht DJK/SSG Darmstadt sensationell 1:4 hinten, ehe man sich im zweiten Abschnitt endlich seiner Fähigkeiten besann und das Blatt mit einer spektakulären Aufholjagd noch drehte.

 

Was sich vor dem Seitenwechsel am Müllersteich abspielte, konnte der neutrale Beobachter am besten beim Halbzeitbesuch der DJK-Verpflegungsstätte analysieren. Dort saßen die Hardcore-Fans des Rasensportvereins bewaffnet mit einem Halbliterglas voller Gerstensaft,  schauten ungläubig in die Röhre und sinnierten zu Recht von einem germanischen Grottenkick. Allerdings mussten sich die enttäuschten Supporter beim Verkonsumieren des üppigen Frustgetränks sputen. Nicht allen glückte dies, denn einige verpassten den Auftakt des Wendemanövers, das die blau-weiße Mannschaft dank einer tollen Moral plus der verspäteten Aktivierung ihrer fußballerischen Überlegenheit nach der Pause auf das Kunstrasengeläuf transportierte. Am Ende behielt der Favorit nach einem unglaublichen und die Highlights des Klubalmanach bereichernden Matchverlauf mit 7:5 die Oberhand und verhinderte einen bitterbösen Dämpfer.

 

Erstmals in dieser Saison musste Coach Appel erkrankt auf seinen „Zweitjob“ als Torhüter verzichten. Für ihn stand Marko Maric zwischen den Pfosten. So viel vorweg: Der Ersatzkeeper strahlte wegen des Erfahrungsunterschieds zwar nicht die von Appel gewohnte Ruhe aus, war aber prinzipiell bei allen fünf vom Träger der roten Ligalaterne verabreichten Nadelstiche machtlos. Neben Maric rückten zudem Paul Platonow und Leon Perkovic neu in die Anfangsformation.

 

Sämtliche Warnungen, den desillusionierten Hausherren (vor dem Anpfiff erst ein Pünktchen auf der Habenseite und bereits 72 Gegentreffer kassiert) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, verhallten rapide wie Schall und Rauch. Bereits in der zweiten Minute mündete der erste haarsträubende Abwehrpatzer im 0:1. Zwar schien das relativ schnelle und von Paul Platonov erzielte 1:1 die Kräfteverhältnisse beizeiten gerade zu rücken, doch diese Mutmaßung entpuppte sich als Trugschluss.

 

Ein katastrophaler Fehlpass von Leon Perkovic leitete den erneuten Rückstand ein, von dem sich die Germanen bis zur Pause nicht mehr erholten. Statt ihre technische Dominanz in die Waagschale zu werfen, versuchten sie es auf dem kleinen Platz immer wieder mit hohen Bällen, die in der Regel keinen Abnehmer fanden. Der Begriff „brotlose Kunst“ machte die Runde, während die kampfstarke DJK/SSG Lunte roch und noch zwei Mal einlochen durfte. So führte die offensivschwächste Mannschaft gegen das Team mit den wenigsten Gegentoren (beide Werte beziehen sich auf die Statistik vor dem Duell) zur Halbzeit 4:1 - Verkehrte Fußballwelt am Müllersteich.

 

Doch wie von den „Urahnen“ zur Zeit der Völkerwanderung vorexerziert gibt ein Germane nicht auf. Der ob der eigenen Vorstellung wütende Rasensportverein fühlte sich an der Ehre gepackt und blies wild entschlossen ins Wendehorn. Begünstig durch einen fatalen Bock des DJK-Goalies drosch Marius Kollbacher die Kugel zum schnellen 2:4 in die Maschen und als sich Michael Azevedo vor dem 3:4 wie einst „kleines dickes“ Müller um seinen Gegenspieler windete, schien der Weg eigentlich frei für eine Kompensation der ersten Hälfte.

 

Doch noch war es nicht so weit. Der nächste Abwehrfehler wurde mit der Schiedsrichterdeutung auf den Punkt bestraft und schwups lag der Gastgeber wieder mit zwei Buden Vorsprung in Front. Aber diesmal erlosch das DJK-Strohfeuer, ehe es richtig lodern konnte, denn der entscheidende Zwischenspurt des in Blau und Weiß agierenden Teams drängte auf seine Live-Übertragung. Binnen 180 Sekunden schlug es drei Mal im Kasten des Rankingletzten ein (!). Der eingewechselte Petrus Baldes (doppelt) und Paul Prediger stellten den Score von 3:5 auf 6:5. Zu allen drei Einlochungen produzierte Marius Kollbacher eine perfekte Vorarbeit.

 

Im weiteren Verlauf stellten die Germanen vom Angriffs- in den Verwaltungsmodus um und mussten so bis in die Schlusssequenzen noch einige Zittereinheiten überstehen, ehe Sven Muth unmittelbar vor Kehraus dieser denkwürdigen Kickveranstaltung den Sack zuschnürte und das gewiss nicht alltägliche Endresultat dokumentierte.

 

Der RSV ist also mit einem blauen Auge davon gekommen und sicherte sich nach dem Gefühlswechselbad am Müllersteich den sechsten Saisonsieg sowie den Bilanzausbau auf überaus ordentliche zwanzig Punkte. Außerdem bewirkte der „ungewöhnliche Dreier“ im Klassement eine Verbesserung auf Rang Vier an Viktoria Griesheim II vorbei, dem nächsten Herausforderer am kommenden Sonntag in der SGD Arena (Anpfiff 15Uhr). Gegen den geographischen- und Tabellennachbarn sollte sich die Germania dann auf die Darbietung der heutigen zweiten Halbzeit fokussieren und den Dienstnachweis vom ersten Durchgang aus der Erinnerung streichen.      

    

Aufstellungen:

Ries, Villa, Schmeller, Ismajlaj, Güven (59. Kruppert), Chamrikh (75. Ökten), Bauer, Ljubicic, Sultani, Bouthiba, Faruqui (65. Maow)

Maric, Geppert, Perkovic (30. Abu Snaineh), Ramm Doman (76. Muth), Boudouhi, Prediger (70. Röder), Platonow, Ylitalo, Kollbacher, Muth (46. Baldes), Azevedo

 

Tore:

1:0 Bauer 2. 1:1 Platonow 16. 2:1 Faruqui 22. 3:1, 4:1 Bouthiba 39., 44. 4:2 Kollbacher 48. 4:3 Azevedo 54. 5:3 Bauer 60. FE 5:4 Baldes 64. 5:5 Prediger 66. 5:6 Baldes 67. 5:7 Muth 90.

 

Gelbe Karten:

Güven, Faruqui, Villa / Boudouhi, Kollbacher, Azevedo, Ylitalo, Baldes

 

Besonderes:

Gelb-Rot Bauer (DJK) 90.