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Ohne Krimi geht die „Germania-Mimi“ anscheinend nie ins Bett: Nach 2:1-Halbzeitführung und 2:3-Rückstand Mitte der zweiten Hälfte sicherte der von Marius Kollbacher und Michel Choumbou erfolgreich gekrönte Schlussspurt dem Rasensportverein einen wichtigen 4:3-Sieg beim überraschend starken SV St. Stephan II und damit den Erhalt der Kreisliga B – Tabellenführung.

 

Von wegen Pflichtaufgabe: Im Griesheimer Stadtteil musste die „mitgereisten“ Fans – mal wieder – in alle Gefühlswechselbäder eintauchen, ehe doch noch der erhoffte Auswärtsdreier auf das blau-weiße Konto überwiesen werden konnte. Inkonsequenz beim eigenen Torabschluss und folgenschwere Abwehrpatzer sorgten dafür, dass der RSV in der benachbarten Zwiebelmetropole am Rande einer Niederlage und vor einem vielleicht nicht mehr korrigierbaren Patzer im Aufstiegskampf stand. Doch die Germanen holten auf den letzten Metern die heilbringende Mixtur aus Moral und Never give up – Mentalität aus der Repertoire-Schatulle. Zudem zeigte sich das einem im Fußballlatein gern zugesprochene Glück des tüchtigen Spitzenreiters hold, denn die beiden entscheidenden Einlochungen zum Schlussphasenwendemanöver passten exakt in den Giebel.

 

Oliver Schnepper war nach seinem Kurzurlaub wieder an der Seitenlinie verantwortlich und veränderte die Kantersiegelf der vergangenen Woche nur auf einer Position: Marius Kollbacher, der beim 9:0 gegen Gräfenhausen II in die coachende Interimsbresche sprang, kam wieder seinem eigentlichen Job nach und kehrte in die Anfangsformation zurück – was sich spätestens 105 Minuten nach dem Anstoß profitabel auszahlen sollte.

 

Auf dem Kunstrasengeläuf in St. Stephan drückte die Germania gleich auf das Gaspedal. Die erste Gelegenheit bot sich allerdings den Hausherren, als Larsen Schnepper einen Schuss von Kai Hillgärtner abwehrte. Marc Perchner stellte das Chancenverhältnis rasch auf 1:1 (zielte knapp am Pfosten vorbei), ehe ein anspruchsvoller Spielzug in der erhofft frühen Führung mündete. Paul Platonow setzte auf dem rechten Flügel Perchner in Szene und dessen Flanke musste Choumbou frei vor dem Kasten lauernd nur noch über die Linie drücken. Wenig später verpasste Choumbou das 2:0 (18., scheiterte an Keeper Blum) und Ylitalo schlenzte den Ball ans Aluminium (25.).   

 

Doch bereits während dieser Periode untermauerte die Zweitabteilung des Kreisoberligisten, dass man im eigenen Wohnzimmer nicht ans Spalierstehen dachte. Der SVS II arbeitete einsatzfreudig und kampfstark am Paroliverfahren und wurde belohnt, als Larsen Schnepper im Sechzehner mit Naim Sevincli zusammen rasselte und der Schiedsrichter diesen Aufeinanderprall als Regelwidrigkeit des Torstehers auslegte. Kai Hillgärtner verwandelte vom Punkt zum 1:1.

 

Wie ein Spitzenteam auf solch einen Dämpfer antwortet, demonstrierte der RSV im Gegenzug gnadenlos. Sven Muth erspähte, dass sich der gegnerische Goalie zu weit vor seiner Hütte aufhielt und überlistete ihn mit einem platzierten Schuss ins lange Eck. Bis zur Pause waren auf beiden Seiten noch weitere Buden möglich, was auch als Warnung diente, denn der vom ehemaligen Germanen Fabricio Almeida-Keth (unvergessen sein entscheidendes 5:4 anno 2010 im Kreispokalhalbfinalelfmeterschießen gegen die Lilien) gut eingestellte Platzhirsch hielt fortan selbstbewusst dagegen.

 

Nach einer Stunde Matchdauer kippte die Partie. Zweimal träumte sich die germanische Defensivriege in einen Frühjahrstiefschlaf und wurde dafür durch einen negativen Doppelschlag unbarmherzig bestraft. Nun schienen die Tabellenführerfelle davon zu schwimmen und die Aufstiegsaktien abzusacken. Doch der blau-weiße Gast raffte sich noch einmal auf und zog sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. In der 80. Minute feierte Marius Kollbacher auf kuriose Art und Weise die Egalisierung. Ob er die Flugbahn der Kugel so ausgerechnet hatte? Auf jeden Fall zauberte er die Pille wie einst Lothar Emmerich anno 1966 bei der Insel-WM mit der linken Klebe fast von der Grundlinie irgendwie in den rechten Winkel.

 

Mit dem 3:3 gaben sich beide Fraktionen nicht zufrieden. Hier wie da fahndete man auf der finalen Rille nach dem Lucky Punch. Den beanspruchten schließlich die Germanen für sich. Kollbacher schickte Ylitalo auf die Reise und dessen Hereingabe köpfte Choumbou mit einem Pfostentouch zum erlösenden Siegtreffer in die Maschen.

 

Die drei Nachspielminuten währten dann noch eine gefühlte Ewigkeit, wurden allerdings schadlos überstanden. So sackte der Rasensportverein den dritten Sieg in Serie ein und sollte auf dem Patentamt einen neuen  Spitznamen eintragen lassen: „Drama-Queen“. Wie schon in Ober-Beerbach machte das Schnepper-Team seinem diesbezüglichen Anspruch alle Ehre und zitterte sich zu einem 4:3-Auswärtserfolg, dank dem der tabellarische Platz an der Sonne verteidigt wurde. Die Pole Position hat mindestens weitere vierzehn Tage Bestand, denn über Ostern ruht der Spielbetrieb. Der nächste bzw. fünftletzte Saisoneinsatz im spannenden Titelrennen sieht am 28. April das Gastspiel von Schlusslicht Kamerun Darmstadt in der SGD Arena vor (Anstoß 15Uhr).        

 

Aufstellungen:

Blum, Weiner, Simikic, Krüger (46. Siebenstich), Schulz, Engel, Sevincli, Yilmaz, Kern, Hillgärtner (62. D. Almeida-Keth), Schmitt (46. Aalrust)

L. Schnepper, Buth, Martino (52. Geppert), Boudouhi, Willenbacher (70. Perkovic), Kollbacher, Platonow, Muth, Ylitalo, Perchner (26. Saric), Choumbou

 

Tore:

0:1 Choumbou 16. 1:1 Hillgärtner 37. FE 1:2 Muth 38. 2:2 Schulz 62. 3:2 Yilmaz 66. 3:3 Kollbacher 79. 3:4 Choumbou 90.

 

Schiedsrichter:

Cemalettin Aktas aus Ginsheim-Gustavsburg

 

Gelbe Karten:

Hillgärtner / Ylitalo, Muth, Martino, Kollbacher, Perkovic

 

Bilder vom Spiel