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„Trainerlos, ideenlos, chancenlos“: Unter diesem Adjektivterzett könnte man den enttäuschenden Spielverlauf nach der zweiten Ligaperformance im neuen Jahr resümieren. Der RSV Germania 03 knüpfte am Sonntag prinzipiell in keiner Phase an das drei Tage zuvor erkämpfte 1:1-Unentschieden gegen Spitzenreiter SV Erzhausen an und musste sich dem FSV Schneppenhausen sang-und klanglos mit 1:4 beugen.

 

Vor allem die Defensivabteilung lieferte einen rabenschwarzen Arbeitsnachweis ab. Unfreiwillige Geschenke für den dankbar annehmenden Gast summierten sich in Hülle und Fülle, was wesentlich dazu beitrug, dass der alle vier Buden für seine Farben erzielende FSV-Akteur Mohammed Ben Haj Youssef nach der Partie ohne Gegenstimme zum „Man of the Match“ gekürt wurde.

 

Schon vor dem Kick-off wurde die Heimaufgabe von personellen Hiobsbotschaften überschattet. Nicht nur der Ausfall mehrerer Leistungsträger (u.a. Perchner, M. Azevedo, Ylitalo) und des für die Anfangself vorgesehenen Leon Perkovic (Verletzung beim Aufwärmprogramm) nährten das Handicapvolumen, sondern auch das Fehlen von Taktikvorgeber Gösta Kiefer, der drei Tage zuvor beim Remis gegen Erzhausen einen gelungenen Ligaeinstand gefeiert hatte. Die am Grünen Steg kursierenden Gerüchte, dass der neue RSV-Trainer zu Verhandlungen im Pott auf Schalke weilte, entpuppten sich allerdings als an den Haaren herbeigezogene Seifenblase.

 

Für Kiefer sprang dessen Vorgänger Marius Kollbacher in die Übungsleiterbresche und sah einen guten Start seiner Mannschaft. Doch die während der Eröffnungsviertelstunde dargebotene Dominanz wurde jäh durch den ersten Abwehrbock konterkariert. Ben Haj Youssef sagte höflich Merci und ebnete mit dem 0:1 seine Spur Richtung persönlicher Triumphzug.

 

Zwar hatte Christian Azevedo beim unmittelbaren Gegenstoß eine dicke Chance zum postwendenden Ausgleich (seinen Flachschuss entschärfte FSV-Keeper Jukic per Glanzparade), doch die  wegen den Corona-Bestimmungen erlaubten und sich bei Tundra-Temperaturen den Allerwertesten abfrierenden rund zwanzig Zuschauer (darunter das einst für bessere germanische Zeiten in der Verantwortung stehende Vereinslegendenduo Torsten Schambach/Ben Talib) merkten, dass nach dem ordentlichen Prolog der Formdaumen peu á peu nach unten deutete.

 

Ein Schneppenhäuser Doppelschlag innerhalb von 180 Sekunden sorgte noch vor dem Seitenwechsel für klare Verhältnisse und die nun verunsichert agierende Germania hätte sich in dieser Periode sogar über einen noch deutlicheren Rückstand nicht beschweren dürfen. Trotzdem gesellte sich das Hoffnungsprinzip zum Halbzeit-Smalltalk, weil Gordon Choynowski einen Freistoß direkt in die Maschen versenkte.

 

Dem von Uli Utrosa „organisierten“ Pausengong (Schiedsrichter Klaus Schäfer hatte seine Uhr vergessen und musste beim germanischen Linienrichter das pünktliche Ende der ersten Hälfte abfragen) folgte für den zweiten Abschnitt die Installation eines frischen Chronometers an der Hand des Referees (Leihe vom Spielausschussvorsitzenden Michael Gengnagel).  

 

Allerdings mündete jener „Freundschaftsdienst“ nicht in einem Wendemanöver.  Mit dem ersten Gästevorstoß wurde die kleine Zuversicht gnadenlos zerstört. Statt den Ball rigoros vom brennenden Herd zu entfernen, vertändelte der Hausherr zum x-ten Male im eigenen Sechzehner und Ben Haj Youssef machte seinen „Quattrick“ perfekt.

 

Damit war die Messe beizeiten gelesen. Der FSV beschränkte sich fortan auf Verwaltungsmaßnahmen, während die Germania bei ihren Anschlussambitionen auf Granit biss. Die beste Möglichkeit für eine Resultatskosmetik verpasste 15 Minuten vor dem Kehraus Gordon Choynowski, der einen an ihm selbst verursachten Elfmeter Goalie Tomislav Jukic in die auffangbereiten Hände ballerte.     

 

Aufstellung: Franke, Buth, Platonow (46. Pontas), Zemelka, Alkan, Babaei, C. Azevedo (46. Ariif), Schalamon, Barnett, Muth, Choynowski

Tore: 0:1, 0:2, 0:3 Ben Haj Youssef 15., 32., 35. 1:3 Choynowski 43. 1:4 Ben Haj Youssef 47.

Schiedsrichter: Klaus Schäfer

Gelbe Karte: Filancieri (FSV)

Besonderes: Choynowski scheitert mit Foiulefmeter an TW Jukic 76.

 

Im „Vorspiel“ beider Vereine hielt zumindest das zweite RSV-Team die germanische Fahne hoch und sammelte nach der unter der Woche quittierten Auftaktniederlage gegen Brandau II (1:3) dank einem überzeugenden 5:0 über Schneppenhausen II den ersten Jahresbonus ein. Dadurch wurde im Kreisliga C – Ranking die gesicherte Mittelfeldposition behauptet.

 

Zur dritten von fünf allesamt in Pfungstadt über die Bühne gehenden Jahresauftaktpartien (die erste 2022-Ligaaufgabe außerhalb der heimischen Gemarkung steht erst am 3. April bei Viktoria Griesheim II auf der Agenda) erwartet der Rasensportverein am nächsten Sonntag (13.03., Beginn 15Uhr30) DJK/SSG Darmstadt. Gegen den Dauerabonnenten der roten Klassenlaterne muss die Germania mit der eher ungewohnten Rolle des Favoriten klarkommen. Das vor den Toren Kranichsteins beheimatete Tabellenschlusslicht weist lediglich drei Punkte auf der Habenseite aus und ist aufgrund dieser mageren Rendite praktisch schon so gut wie abgestiegen. Dennoch sollte niemand von einer im Handumdrehen lösbaren Prüfung ausgehen, denn die sportlich angeknockten Kicker vom Müllersteich wollen am Grünen Steg ihre Haut sicherlich so teuer wie möglich verkaufen, während die auf der letzten definitiv rettenden Tabellenstufe Vierzehn sitzende Germania nach dem Dämpfer gegen Schneppenhausen erpicht sein muss, den kleinen Vorsprung auf den Relegationsplatz zu verteidigen.   

 

Im zuvor terminierten Kreisliga C – Duell zwischen der zweiten RSV-Mannschaft und dem TSV Eschollbrücken können die Germania-Fans schon einmal für den eine Woche später bei der FTG steigenden Lokalfightdoppelpack Derbyatmosphäre „trainieren“. Gegen den „Cochemer“ Nachbarn ertönt der Anpfiff bereits um 12Uhr30 an der Ostendstraße.