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Der RSV Germania 03 vergoldete am Sonntag den in der Vorwoche gegen die FTG eingetüteten Derbytriumph. Im Kellerduell der Kreisliga A packte der Rasensportverein bei Tabellenschlusslicht DJK/SSG Darmstadt wiederum in der Nachspielzeit den Lucky Punch - Hammer aus und feierte durch einen 3:2-Erfolg erstmals in dieser Saison zwei Siege in Serie.

 

Bis die Big Points für den Kampf um den Klassenerhalt im blau-weißen Sack verstaut werden konnten, schluckte der mitgereiste Anhang etliche Baldrianpillen, um der Funktionsfähigkeit des Nervenkostüms zu vertrauen. Nach einem bis zur 90. Minute geltenden 2:1-Vorsprung überschlugen sich während der opulenten Extratime die Ereignisse: Ausgleich kassiert, den drohenden Knockout verhindert und die dritte Führung erzielt. Doch selbst mit dem 3:2 war das Ende der zitternden Fahnenstange noch nicht erreicht. Der Schiedsrichter gestattete noch eine weitere Zugabe von 240 Sekunden, ehe das erlösende Abpfiffsignal den erhöhten Blutdruck wieder in normale Bahnen zirkulierte.

 

Trainer Kollbacher musste am Müllersteich im Vergleich zum Lokalfight seine Anfangself auf mehreren Positionen umstellen. Die veränderte Grundformation nahm dennoch vom Fleck weg das kickende Zepter in die Hand und war zunächst klar Chef im fremden Ring. Die überlegene Spielweise mündete in gutklassigen Torchancen, doch zwei Mal entschärfte DJK-Keeper Marx Schüsse von Winkel und Azevedo, während Choynowski nach einer aus 25 Metern abgeschickten Freistoßgranate mit dem fehlenden Beistand von Fortuna haderte. Von der Lattenunterkante prallte die Kugel knapp vor statt hinter die Linie und wurde dann geklärt.

 

Die Dominanz ebbte allerdings nach einer halben Stunde ab. Nun demonstrierte auch der gastgebende Träger der roten Laterne den Willen, seine prekäre sportliche Momentaufnahme aufzupolieren. Als Cedric Korn kurz vor der Halbzeit freistehend knapp das Ziel verfehlte, durfte sich der RSV ungeachtet des vorausgegangenen Übergewichts glücklich schätzen, mit einem torlosen Remis den Pausen-Tee zu genießen.

 

Zur Ouvertüre des zweiten Abschnitts erwischte die Germania einen Auftakt nach Maß. Nach einer ansehnlichen Kombination über Azevedo und Platonow behauptete sich Marc Perchner robust gegen seine Widersacher und vollstreckte zum 1:0. Nuancen später verpasste Azevedo hauchzart den Doppelschlag, weil seinem Abschluss der Pfosten im Weg stand (das zweite „Alu-Pech“). Das nicht genutzte Nachlegen rächte sich, als der ansonsten erneut einen starken Rückhalt darbietende Goalie Lembcke zur Klärung seinen Kasten verließ und unfreiwillig Qualid Chamrakh zu einem gefühlvollen Schlenzer ins verwaiste Gehäuse einlud.

 

Nach dem Ausgleich wogte das Pendel für die Dokumentierung des Endergebnisses hin und her. In der 80. Minute neigte es sich zunächst wieder auf die germanische Seite. Choynowski versenkte eine Flanke volley zum 2:1. Doch auch nach der zweiten Vorlage war die Messe längst nicht gelesen. Sekunden vor dem Kehraus der reguären Spielzeit segelte ein DJK-Freistoß in den Sechzehner, woraufhin sich die Pille über mehrere abfälschende Beine irgendwie in den linken Giebel verirrte.  

 

Das 2:2 läutete das Halali für ein an Spannung kaum zu überbietendes Nachspieldrama ein. Mit dem Rückenwind der späten Egalisierung arbeitete der Platzhirsch vehement am Wendemanöver. Dominik Winkel rettete per Kopf auf der Linie und beim anschließenden Entlastungsgegenstoß erhielt die Germania einen Freistoß zugesprochen, den Choynowski dank adäquater Aktivierung seiner bärenstarken linken Klebe in die Maschen verschickte. Der Last Minute – Jubel schien noch einmal zu verstummen, als der Referee wegen Verzögerungstaktik Tim Saric eine Zeitstrafe aufbrummte und der DJK noch vier Ecken bescherte. Erst als dieses Standardquartett im Nirwana versandete, war die eminent wertvolle Entführung der drei Punkte perfekt.

 

Durch den zweiten Dreier hintereinander schlug der Rasensportverein zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Distanz zu den direkten Abstiegsplätzen ausgebaut und sich im Ranking auf die sichernde Stufe Vierzehn verbessert. 

 

Aufstellung: Lembke, Alkan, Saric, Winkel, Buth, Schalamon (74. Babaei), Platonow (68. Güclüdal) , Aldibo, Choynowski, M. Azevedo, Perchner (88. Sabbagh

Tore: 0:1 Perchner 47. 1:1 Chamrikh 59. 1:2 Choynowski 80. 2:2 Bustelo 90. 2:3 Choiynowski 90. + 4

Gelbe Karten: Saric, Perchner, Babaei

Besonderes: Zehnminutenstafe Saric 90. + 5

 

Weil man zum Showdown der Kreisliga A – Vorrunde (21.11.) turnusmäßig spielfrei ist, hat die Germania innerhalb von vier Tagen die letzten beiden Partien der ersten Halbserie vor der Brust. Dem Nachholtermin am 18.11. gegen Viktoria Griesheim II geht jetzt am kommenden Sonntag (14.11.) erst einmal der Dienstausflug in den Weiterstädter Stadtteil Schneppenhausen voraus. Der dort wartende Hausherr wäre in der vergangenen Saison höchstwahrscheinlich aufgestiegen, aber der Corona-Abbruch machte die Beförderungshoffnungen zunichte. In der laufenden Spielzeit kam der alte Rivale nach einer Start-Quarantäne nur schwer in die Gänge. Inzwischen greifen allerdings wieder die Fußballrädchen und das Aufholprogramm Richtung Tabellenspitze läuft auf Hochtouren.

 

Neben dem Wettkampfaspekt gibt es auch ein Wiedersehen mit der ewigen blauen-weißen Nummer Eins. Rekordspielerlegende Torsten Schambach hütete zwischen 1991 und 2009 in 492 Punktspielen den RSV-Kasten und fungiert heutzutage im Klubleben des FSV als echter Tausendsassa. Der Anstoß auf dem Sportplatz „An der Trift“ ertönt um 15Uhr. Schon drei Stunden zuvor (12Uhr) prallen an gleicher Stätte die Kreisliga C – Mannschaften der beiden Vereine aufeinander. Das Derby der „Zweiten“ beim TSV Eschollbrücken fiel aufgrund Schiedsrichtermangel aus und wird am Dienstag (09.11.) ab 19Uhr30 nachgeholt.