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Nach 45 Minuten setzten wohl die wenigsten Zuschauer einen Pfifferling auf den RSV Germania 03. Der lokale Kontrahent FTG Pfungstadt lag trotz drückender Überlegenheit „nur“ 1:0 in Front, was sich nach dem Seitenwechsel aus Gästesicht bitter rächen sollte. Dank einem Doppelschlag von Zweitmannschaftsjoker Mortaza Hakeemi drehte der blau-weiße Platzhirsch das Blatt und feierte nach fünf Heimpleiten den saisonalen Premierendreier am Grünen Steg.

 

Vier Buden in drei Halbzeiten: Mit seinem Wendemanöver avancierte Hakeemi endgültig zum Derbyheld des germanischen Reformationstages, denn im vorausgegangenen Kreisliga C – Kräftemessen hatte der Stürmer bereits zwei Mal eingenetzt. Dass man sich beim Kreisliga A – Duell noch die Butter vom Brot klauen ließ, musste sich das von der Dr. Horst Schmidt-Straße ins Industriegebiet angereiste Team selbst ankreiden. Im Verlauf des ersten Abschnitts ließ die FTG ein höheres Guthaben fahrlässig liegen. Mit Beginn der finalen Hälfte potenzierte der Hausherr seine Parolimaßnahmen, auch weil Marius Kollbacher den perfekten Joker aus dem Ärmel zauberte. Hakeemi stellte schnell auf 1:1 und profitierte beim Lucky Punch in der Nachspielzeit höchstwahrscheinlich auch von der fortschreitenden Dunkelheit.

 

Beide Rivalen marschierten stark ersatzgeschwächt in den Pungschter Lokalfight. Bei den Germanen halfen vier Zweitmannschaftsakteure aus (Nizamettin Alkan in der Startelf und drei im „1-B-Match“ bereits über die volle Distanz wirkende Recken auf der Bank) und der FTG standen lediglich zwei Ersatzfeldspieler zur Verfügung. Das hüben wie drüben existierende Personalmanko konnten die Rot-Weißen nach dem Kick-off allerdings weitaus adäquater kompensieren. In den Reihen der Freien Turner rollte das Bällchen ansehnlich, derweil der Rasensportverein meist der Musik hinterherlief und auf harte Abwehrarbeit beschränkt wurde.

 

Dass die Nullnummer bis zur 39. Minute Bestand hatte, verdankten die Germanen drei Faktoren: Dem überzeugenden Reaktionsvermögen von Keeper Christian Lembke, der Kopfballstärke des prinzipiell als klassischer Libero fungierenden Niza Alkan sowie der FTG-Inkonsequenz bei den zahlreichen Versuchen, das Runde ins Eckige zu befördern. Kurz vor der Pause war aber auch Lembke machtlos, als Dominic Heil eine Flanke per Seitfallzieher optisch wertvoll in die Maschen zimmerte.

 

Mit dem bis dato längst überfälligen 0:1 bat der Referee zur Einnahme der Pausengetränke. Diese hatten für die FTG eine schlummernde Wirkung, während der fast schon abgeschriebene RSV vom getrunkenen Oberwasser respektive der Einwechslung von Hakeemi reanimiert wurde. Dessen überlegter Heber ins lange Eck egalisierte den Score und plötzlich erlebten die Fans einen Schlagabtausch auf Augenhöhe.

 

Mit fortlaufender Dauer hatte die Anhängerschar allerdings Schwierigkeiten, das Derby auf dem Naturrasengeläuf visuell zu begutachten. Dies war keineswegs den schlechten Augen, sondern der akuten Dämmerungszunahme nach der Zeitumstellung geschuldet. Nicht nur Ex-Übungsleiter Aktan Ak, der interessiert dem insgesamt fairen Nachbarschaftsreigen beiwohnte, fühlte sich an den Pokalhit 2010 gegen die Darmstädter Lilien erinnert, als die Schlussphasensequenzen kaum noch ersichtlich waren.

 

Die damaligen blau-weißen Schützlinge wanderten zum Elfmeterschießen auf den Hartplatz (heute Kunstrasen) aus. Obwohl dort das Flutlicht für die nahende Kreisliga D – Partie des SV98 II schon alle grellen Register zog, musste diesmal niemand umziehen, denn das Derby wurde noch in der „normalen Spielzeit“ reglementiert. Die Aftertime betrug 180 Sekunden, als FTG-Goalie Maik Schmidt von dem erst vor und dann über ihn aufsetzenden Ball düpiert wurde. Der die Lunte riechende Hakeemi bedankte sich für dieses Halloween-Geschenk und schob zum für die Germania süßen Lokaltriumph ins verwaiste Gehäuse ein, während die Protagonisten der Freien Turner nach dem quittierten Last Minute – Schock verständlicherweise angesäuert in die Röhre schauten.

 

Durch die ersten geernteten Saisonfrüchte im eigenen Wohnzimmer festigte der Rasensportverein in der Kreisliga A zumindest Position Fünfzehn und bescherte dem neuen Coach Marius Kollbacher nach drei Niederlagen endlich die Debütprofitüberweisung. Indessen verpasste die FTG eine bessere Momentaufnahme im Ranking-Mittelfeld und beklagte eine vermeidbare Fortsetzung ihres „Derby-Fluchs“ (stand zum vierten Mal hintereinander auf der Punktspielbühne gegen den RSV mit leeren Händen im Regen).           

 

Aufstellungen:

RSV: Lembke, Alkan, Saric, Zemelka (82. Aldibo), Buth, C. Azevedo (46. Hakeemi), Babaei, Ylitalo, Schalamon, Choynowski, M. Azevedo

FTG: Schmidt, Eicke, J. Breiner, F. Breiner (58. Deniz), Kramer, Inhetpanhuis (71. Kraft), Daffe, Larkowitsch, Saadan, Erkek, Heil

Tore: 0:1 Heil 39. 1:1, 2:1 Hakeemi 51., 90. + 2

Schiedsrichter: Marco Trillig / Fürth

Gelbe Karten: Babaei, Hakeemi / Inhetpanhuis

 

Auch im „kleinen Derby“ der Kreisliga C beanspruchte die Germania durch einen deutliches 4:0 den beglückenden Ausgang für sich. „Man of the Match“ war neben Spielertrainer Ersin Güclüdal (verwandelte zwei Freistöße direkt) selbstredend Mortaza Hakeemi, der ebenfalls zwei Buden knipste und dadurch den Grundstein für sein späteres Remake im Trikot der ersten Mannschaft legte. Damit festigte der RSV II die aktuelle Position im sogenannten sicheren Tabellenareal.

 

Während am nächsten Sonntag (07.11.) rund 280 Kilometer entfernt in Gelsenkirchen-Buer zwei andere blau-weiße Traditionsvereine im direkten Aufeinanderprall um die Zweitligafleischtöpfe wetteifern,  muss der RSV Germania 03 ein „paar“ Fußballstockwerke tiefer im Kellerduell der Kreisliga A bei DJK/SSG Darmstadt Farbe bekennen. Das gastgebende Tabellenschlusslicht aktivierte nach zuvor elf Saisonstartpleiten zuletzt mit Verspätung sein persönliches Punkteprogramm, weist eindeutig aufsteigende Tendenz aus und würde dem Rasensportverein im Falle eines Heimsieges auf die Pelle rücken. Die Germania ist also gewarnt und darf den wartenden Widersacher auf keinen Fall an den letzten beiden Pflichtspielen messen, als man vor den Toren Kranichsteins die komplette Beute hortete und dabei opulente sechzehn Treffer erzielte. Der Anstoß zu diesem Wegweisermatch um den Klassenerhalt ertönt um 15Uhr am Müllersteich. Zur gleichen Zeit tritt die Kreisliga C – Auswahl beim TSV Eschollbrücken an und bestreitet im Stadtteil ergo ihr zweites Derby en block.