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Sehnsucht heißt nicht nur das alte Lied der Taiga, sondern begleitet auch seit acht Monaten jeden Amateurfußballer samt deren Anhängerschaft. Wer lechzte nicht danach, statt dem TV-Konsum von Profigeisterspielen wieder selbst dem Ball nachzujagen bzw. durch eine emotionale Anfeuerungsstippvisite seinen lokalen Fußballklub zu unterstützen? Am kommenden Sonntag (20.06., Anstoß 11Uhr) wird zumindest für die Protagonisten des RSV Germania 03 das kickende Embargo ad acta gelegt, wenn der drei Klassen höher beheimatete Verbandsligist Rot-Weiß Darmstadt auf dem Traditionsgelände an der Ostendstraße seine Visitenkarte abgibt…

 

Man schrieb den 18. Oktober 2020, als eine germanische Mannschaft letztmals auf dem grünen Rasen im sportlichen Wettstreit gefordert war. Das dramatische 3:2 in der Kreisliga A bei Türk Gücü Darmstadt wurde leider schon vom Pandemieabbruch Teil Zwei überschattet. Wenige Tage darauf fand der Austausch traurige Realität für vergebliche Zuversicht statt. Nach der Runde 19/20 (immerhin 19 ausgetragene Begegnungen) unterbrach das verantwortliche Gremium wegen den erneut drastisch ansteigenden Infektionszahlen zunächst auch die Spielzeit 20/21 (lediglich neun absolvierte Matches) und stampfte später die Saison ohne jegliche Wertung (weder Auf- noch Absteiger) komplett ein.

 

In den vergangenen Wochen sackten die inzwischen berühmt-berüchtigten Inzidenzwerte glücklicherweise in den Keller und das Licht am Ende Tunnels war immer deutlicher zu erkennen. Im Rahmen der allgemeinen Lockerungen durfte auch das Trainingsprogramm wieder aktiviert werden. Der Glaube ist intakt, dass nach den beiden Abbruchjahren die Saison 21/22 „geregelt“ über die Bühne geht – auch wenn man angesichts der seit Februar 2020 neu gewonnenen Erkenntnisse mit positiven Prognosen vorsichtig sein sollte.

 

Nichtsdestotrotz überwiegt jetzt selbstredend die Vorfreude auf das lang ersehnte Comeback eines reibungslosen Spielbetriebs. Der Ligastart für die erste Mannschaft unter der Regie des neuen Trainers Rouven Kornmann, den wir nochmals im Kreise der Germania-Familie herzlich willkommen heißen und viele glückliche Händchen wünschen) und die Zweitabteilung in der Kreisklasse C mit Coach Ersin Güclüdal ist für den 23. August geplant.

 

Der erste Vorbereitungseinsatz für die wartenden Aufgaben steigt also bereits am nächsten Sonntag gegen den geographischen Nachbarn Rot-Weiß Darmstadt. Der Klub aus der Heimstättensiedlung wurde kurz nach dem Wunder von Bern gegründet und ist also 51 Lenze jünger als der Rasensportverein. Nach Beschränkung auf die unteren Kickebenen über mehrere Dekaden setzten die Roten im neuen Jahrtausend zum Höhenflug an und liefen den Blau-Weißen sportlich den Rang ab.

 

Auf der Punktspielbühne traf man sich letztmals am finalen Spieltag der Gruppenligarunde 05/06. Kurioserweise triumphierten die Germanen beim bereits feststehenden Meister im Waldsportpark 2:1 und qualifizierten sich so für die Klassenerhaltsrelegation, wo sie allerdings an Dersim Rüsselsheim scheiterten und in den sauren Abstiegsapfel beißen mussten.

 

Derweil mischten die Heimstättensiedler auch in der Verbandsliga in den oberen Sphären mit und perfektionierten 2010 das größte Highlight ihrer Historie: Beförderung in die Hessenliga. Ausgerechnet die Germania verhinderte jedoch das „Double“. Im Finale des Darmstädter Kreispokals krönte das damalige Team von Übungsleiter Aktan Ak die Halbfinalsensation gegen Regionalligist SV98 (5:4 nach Elfmeterschießen) durch ein verdientes 2:0 über die Roten und durfte sich stolz „Kreispokalsieger 2010“ nennen.

 

Die Beständigkeit unseres Auftaktkontrahenten untermauert, dass Rot-Weiß seit 2007 entweder in der Hessenliga (insgesamt sechs Jahre) oder in der Verbandsliga (ab 2017 nonstop) seine Bahnen zieht. Ergo gleich ein dicker Brocken für Rouven Kornmann bei seiner Spielpremiere an der Ostendstraße. Aber das Ergebnis dürfte am Sonntag eher sekundär sein. Viel wichtiger ist ein erster Einblick auf die weitgehend unveränderte Gastgebermannschaft im Spielmodus und vor allem die Rückkehr in ein Stück Normalität, die hoffentlich möglichst schnell wieder den Alltag beherrscht. Wir freuen uns auf die Renaissance im heimischen Fußballwohnzimmer. Glückauf…