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Für die Hingabe, exakt ein halbes Jahr dem Punktspielwettstreit zu entsagen, wurden die Fans auf dem altehrwürdigen Sportplatz an der Ostendstraße gleich am ersten Saisonspieltag 20/21 mit dem kompletten Fußball-Potpourri entschädigt. Nach einem dramatischen Hin und Her wendete der RSV Germania 03 dank einer tollen Moral den drohenden Fehlstart ab und bezwang Viktoria Griesheim II mit 5:4.

 

Neun Tore, ein Platzverweis, Emotionen pur, kuriose Abwehrschnitzer und zum Kehraus ein angeknockter Schiedsrichter: Wer die fast 96 Nettomatchminuten des ersten Kreisliga A- Spieltags verfolgt hat, weiß, was er in den vergangenen sechs Monaten vermisst hat. Die im Germanen-Lager vor dem Anpfiff herschende Vorfreude auf die Ligarenaissance wurde aufgrund von eklatanten Defensivpatzern so lange gedämpft, bis die blau-weiße Mannschaft eine perfekte Aufholjagd auf das Kunstrasenparkett zauberte und den eigenen Anhang förmlich mitriss. Der erlösende Schlussgong nach einem spannenden Schlagabtausch bugsierte drei wichtige Debützähler in den RSV-Sack.

 

In den ersten zehn Minuten merkte man der germanischen Absicherungsriege eine gewisse Verunsicherung an. Die Zweitabteilung des Hessenligisten war zunächst klarer Chef im Ring und hatte zwei, drei Mal die Chance zur frühen Führung. Vor allem bei Trainer Erik Appel, der seinen „Zweitjob“ als Torsteher bravourös meisterte, durften sich die Germanen in der Anfangsphase bedanken, dass die Null noch stand. Seine größte Tat vollbrachte Appel, als er eine Abnahme aus kurzer Entfernung reflexartig gegen die Latte lenkte.

 

Erst peu á peu aktivierte der Hausherr die Parolimaßnahmen und erarbeitete sich selbst die ersten Gelegenheiten, aber das eingenommene Zielwasser des Offensivtrios Perchner/Muth/Azevedo zeigte noch keine Wirkung. Trotz der inzwischen hergestellten Ausgeglichenheit gingen die Gäste in Folge eines optisch ansehnlichen Vorstoßes nach einer halben Stunde in Führung, die Marc Perchner zum berühmt-berüchtigt wichtigen Moment kurz vor dem Seitenwechsel egalisieren konnte.

 

Duplizität zum ersten Abschnitt: Auch zur Ouvertüre des zweiten Durchgangs erwischten die Spargelstädter den besseren Start. Zunächst stand der Germania beim zweiten Griesheimer Aluminiumtreffer noch Fortuna Pate, doch kurz darauf musste Appel nach einer Ecke und einem abgefälschten Abschluss zum zweiten Mal den Ball aus dem Netz fischen.

 

Weitere wenige Sequenzen später wurde der SCV II nach einem Foul an Azevedo personell dezimiert (Ampelkarte), was ihn allerdings nicht daran hinderte, nach einem RSV-Mittelfeldfehler einen schnellen Konter zu fahren und den Score auf 1:3 zu stellen. Jetzt schienen die Felle davon zu schwimmen, doch die Berufspessimisten auf der Tribüne hatten die Rechnung ohne den germanischen Moralwirt gemacht.

 

Die Schützlinge von Erik Appel bliesen im Kollektiv ins Aufholhorn, nutzten jetzt die numerische Überzahl und wendeten innerhalb von einer rasanten Zwischenspurtviertelstunde das Blatt. Azevedo bugsierte die Kugel zur Hoffnungsreaktivierung in den Winkel und dann leistete der Griesheimer Keeper unfreiwillige, aber für den Platzhirsch natürlich willkommene Zulieferungshilfe. Sowohl beim 3:3 (satter Schuss von Marius Kollbacher) und hauptsächlich beim 4:3 sah der Goalie alt aus. Zum erstmaligen Germania-Vorsprung legte er völlig unbedrängt für Azevedo auf und dieser bedankte sich artig mit seiner zweiten Tagesbude.

 

Wegen zu heftigen Protesten sah daraufhin am Spielfeldrand noch ein zweiter längst ausgewechselter Griesheimer Akteur gelb-rot. Als "Joker" Gordon Choynowski die Pille Marke Traumtor zum 5:3 in den Giebel schweißte, war der Käse eigentlich gegessen. Aber Ex-Germane Heinrich Ludwig verschob noch einmal die Gästekapitulation und machte das Resultat wieder scharf. So musste der Rasensportverein noch einige Zittereinheiten und Schiedsrichter Horle schmerzhafte Momente (bei einem Klärungsversuch traf ihn der Ball aus nächster Nähe) überstehen, ehe der gewünschte Saisonpremierendreier eingetütet war.      

    

 RSV: Appel, Geppert, Saric, Prediger, Bianco (79. Dommert), Kollbacher, Ramm Doman, Ylitalo (70. Neziraj), Muth (65. Choynowski), Azevedo, Perchner

SCV: Derin, Nagayoshi (78. Kenfack), Derin, Tokmak (46. Reifegerste), Bajus, Lomardi, Geske, Ludwig, Alikotsis, Misseri, Skaljic (43. Bilmez)

Tore: 0:1 Skaljic 29. 1:1 Perchner 45. 1:2 Reifegerste 52. 1:3 Alikotsis 67. 2:3 Azevedo 72. 3:3 Kollbacher 74. 4:3 Azevedo 80. 5:3 Choynowski 83. 5:4 Ludwig 86.

Besonderes: Gelb-Rot Bajus 57. & Skaljic 80. (beide SCV II)

Schiedsrichter:  Horle aus Hammelbach

 

Auch im „Vorspiel“ durften die Germanen reichlich jubeln. Zwar kanzelten die Mannen von Coach Ersin Güclüdal im Derby den TSV Eschollbrücken nicht ganz so deutlich wie in der Vorsaison (7:0) ab, doch auch das 6:2 ist selbstredend aller Ehren wert. Nach einer verteilten ersten Hälfte (2:2) legte die „1-B“ im zweiten Abschnitt aufgrund der nun zum Zuge kommenden spielerischen Überlegenheit vier Treffer nach und sorgte für einen optimalen Rundeneinstand in der Kreisliga C.

Videohighlights vom Spiel

 

Der zweite Saisonspieltag navigiert beide Mannschaften der Germania am kommenden Pungschter Kerbsonntag (13.09.) in den Weiterstädter Stadtteil Schneppenhausen zum dort beheimateten FSV. Die 1-B bestreitet ihre Kreisliga C – Verpflichtung ab 12Uhr30 und nach einer „Desinfektionspause“ tritt das Kreisliga A – Team um 15Uhr30 bereits zum neunten Mal seit 2006 beim alten Rivalen an. Kuriose Randnotiz zur Terminierung: Auch vor fast genau einem Jahr lotste die Kirchweihdienstreise den Rasensportverein zum schmucken Sportplatz  „An der Trift“ (damals allerdings erst am sechsten Spieltag), wo man nach einem rassigen Duell ein verdientes 1:1-Unentschieden erbeuten konnte. Am Sonntag müssen/dürfen Hardcore-Germanen, die das komplette blau-weiße Fußballausflugspaket einer Gerstenschalenverkonsumierung in den heimischen Kneipen vorziehen, zum Startschuss von zwei englischen Wochen hintereinander (!) also einen rund fünfstündigen Aufenthalt in Schneppenhausen einkalkulieren.